The Sound of Silence

Als einer der wichtigsten Themen des alltäglichen Leben ist es nicht verwunderlich, dass Kommunikation auch im Buddhismus Erwähnung findet. Die moralische Gruppe des Achtfachen Pfades beschäftigt sich unter anderem mit der korrekten Rede. Die hier angeführten Vorgaben haben allerdings mehr mit gesundem Menschenverstand, als besonderen Regeln zu tun. Wieso fällt mir die Umsetzung dieser also oftmals so schwer?

Es ist ein immenser Unterschied, theoretisches Wissen zu besitzen und dieses dann praktisch umzusetzen. Natürlich weiß ich, dass Buddhismus eine friedliebende Lehre ist und um ein zufriedenes Leben führen zu können, ist sämtliche negative Rede kontraproduktiv. Der Buddhismus lehrt dem Menschen an nichts anzuhaften, da alles vergänglich ist; das soll letztendlich zu einem Zustand führen (der Erleuchtung), in dem negative Gefühle nicht mehr existent sind. Wie kann ich aber nun im speziellen meine Sprache trainieren, während ich sehr wohl noch emotional auf meine Umwelt reagiere?

Aus jeglicher Kenntnis, die ich bisher aus buddhistischer Lektüre entnehmen konnte, wäre die Antwort wohl folgende: trainiere dir die moralische Sichtweise an, meditiere und sei geduldig. Aufgrund der Wichtigkeit jener Thematik für mich, habe ich nun allerdings zusätzlich beschlossen ein kleines Experiment durchzuführen.

Als ich vor zwei Jahren meinen ersten Vipassana Kurs besucht hatte, war einer der Regeln die komplette Schweigepflicht während des gesamten Aufenthaltes. Absicht war die Schaffung individueller Erfahrung ohne äußere Ablenkungen; zumindest habe ich damals keine weiteren Gedanken daran verschwendet.

Nun erscheint mir jedoch das Schweigen als die Lösung für mein Problem! Der Grund dafür ist ganz einfach: bewusstes Leben führt zum Ende von Leid, also muss auch der Sprache ein Bewusstsein antrainiert werden – wie könnte das besser funktionieren als bewusst nicht zu sprechen?!

Die nächsten drei Tage widme ich mich nun also dem Schweigen und schildere hier anschließend meine Erfahrungen.

~*~*~*~

Sich auf einer Farm im argentinischen Patagonien zu befinden war für mein Experiment Fluch und Segen zugleich. Natürlich war der Ausgangspunkt nicht mit einem Vipassanakurs, bei dem keiner der Anwesenden spricht, vergleichbar. Aber auch in der realen Praxis werde ich stets mit Alltagssituationen zu tun haben, daher ist dieser Punkt eher nebensächlich.

Während jener Dauer waren wir bloß zu dritt, was das ganze vereinfachte. Außerdem hatte ich meine Intentionen klar geschildert… oder zumindest dachte ich das. Bis zur Ausführung selbst war mir nicht ganz klar, ob ich nur schweigen oder auf jegliche Form der Kommunikation verzichten würde. Es war abgeklärt, dass sämtliche, notwendige, arbeitsbezogenen Gespräche gestattet waren. Jedoch bemerkte ich schnell, dass es (zumindest zurzeit) im Leben der Gemeinschaft nicht vollkommen möglich war, jegliche Kommunikation zu unterlassen. Das führte in einigen Situationen zu Konfusion und manchmal sogar zur Verärgerung anderer… was wiederum mich frustrierte, da ich nichts tun konnte.

Abgesehen von diesen einzelnen Fällen war die gesamte Erfahrung jedoch unglaublich bereichernd. Welche Erkenntnisse konnte ich nun also aus diesem Experiment ziehen?

  • Die Stille führt dazu, dass die eigenen Gedanken tatsächlich bewusst „gehört“ werden. Oftmals hatte ich das Bedürfnis auf eine bestimme Art und Weise zu reagieren – und erschrak dabei manchmal über die erstaunlich sarkastische bzw. aggressive Wortwahl.
  • Meine subjektive Wahrnehmung war ebenfalls häufig negativ behaftet. Aussagen bezüglich dieser führen somit häufig zu unnötigen Diskussionen, die durch das Unterlassen nicht stattfanden.
  • Nicht nur in solchen Situationen, auch bei provokanten Äußerungen anderer Personen ist es manchmal besser einfach nichts zu sagen. Im besten Fall kommen sie selbst drauf dass sie falsch lagen, ansonsten ist es auch kaum Wert tatsächlich verschwendete Energie in solche Diskussionen zu stecken. (Ganz nach dem Motto Der Klügere gibt nach. Das letzte Wort zu haben bedeutet nicht unbedingt eine Diskussion zu „gewinnen“.)
  • Viele Menschen reden oft mehr als notwendig ist. Meistens handelt es sich hierbei nur um sinnloses Geplapper um den Mund zu beschäftigen.
  • Zu jener Sinnlosigkeit gehören auch viele Töne die der Mensch von sich gibt. Zahlreiche verbale Reaktionen sind bloß psychische Übertreibungen auf äußere Reize – wie z.B. hysterisches Quietschen beim Vollkontakt mit kaltem Wasser.

Ganz abgesehen von den sprachlichen Beobachtungen,  war ich in diesen drei Tagen ebenso in der Lage andere wichtige buddhistische Lehren für mich zu erfahren und in mein Leben aufzunehmen. Somit würde ich dieses Experiment als gelungen bezeichnen und freue mich schon auf die zukünftigen Versuche.

 

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