Meditation

Einer der wichtigsten Aspekte des Buddhismus und des Noblen Achtfachen Pfades, ist die Praxis der Meditation. Wie bereits im Eintrag The Noble Eightfold Path erwähnt, dient die Meditation als Training für Konzentration und Fokus. Im folgenden möchte ich nun ein wenig detaillierter auf diese Thematik eingehen.


Techniken

Als ich zum ersten Mal meditierte, bekam ich die Anweisung mich hinzusetzen, nicht zu bewegen und mich nur auf meinen Atem zu konzentrieren. Anfangs wirkte das ein wenig lächerlich, aber ich bemerkte schnell, wie schwer mir diese Aufgabe fiel.

Auch als ich anfing die buddhistische Lehre ernsthaft zu betreiben, hatte ich große Schwierigkeiten, nicht ständig mit den Gedanken abzudriften und meinen Tagträumen zu folgen. Die Zusprache eines buddhistischen Freundes, ich würde doch trotzdem stets zum Atem zurückkehren, genügte mir nicht. Also erzählte er mir vom Zazen.

Zazen ist die im Zen-Buddhismus gebräuchliche Meditationsart, bei der man Gedanken passieren lässt und sie nicht verfolgt. Das Auftreten eines Gedanken wird also lediglich wahrgenommen, ihm wird aber nicht weiter Beachtung geschenkt. Mir persönlich half das Zazen sehr, denn im Vergleich zur Atem-Meditation war es „in Ordnung“ Gedanken zu haben; ich lernte lediglich nicht auf diese einzugehen.

In der Praxis wird nach einer Zazen-Einheit das Kinhin praktiziert. Dieses ist das meditative Gehen, bei dem pro Atemzug ein Fuß aufgesetzt wird und das u.a. den Körper nach dem langen Sitzen auflockern soll.

Eine andere Meditationstechnik, von der ebenfalls schon die Rede war, ist das Vipassana. Hierbei geht es um die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen während der Meditation. In der Praxis bedeutet das, dass der Körper mental „abgetastet“ und nach Reizen wie z.B. Jucken, Schweiß, Schmerz, etc. gesucht wird. Findet man einen solchen bleibt die Aufmerksamkeit auf diesem, bis er verschwindet. Der Zweck dahinter ist das Bewusstsein der Vergänglichkeit zu trainieren, denn jeder Reiz lässt irgendwann nach, auch ohne dass wir darauf reagieren.

Eine weitere beliebte Methode im Buddhismus, ist das Rezitieren von Mantras. Dabei handelt es sich um Gebete oder Verse, die im Stillen oder laut vorgetragen werden; in der Gruppe können sie auch gesungen werden. Das mag sich nun spiritueller anhören als es ist. Um die Meditation der Güte (mehr dazu unten) an sich selbst anzuwenden, verwendete ich oft das Mantra ‚Möge ich in Frieden sein. Möge ich glücklich sein.‘ Es kann sich also tatsächlich einfach um positive Sprüche handeln, die die Meditation unterstützen sollen.


Die fünf Hindernisse

Im traditionellen Buddhismus gibt es viele Meditationsobjekte, die zum Training bestimmter Bereiche des Achtfachen Pfades, sowie der Steigerung von Konzentration angewendet werden können. Vor allem gegen die fünf Hindernisse im Buddhismus, werden bestimmte Methoden vorgeschlagen.

Als Quelle für diese habe ich abermals das Werk ‚The Noble Eightfold Path‚ von Bhikkhu Bodhi verwendet.

Lust: dafür gibt es die Meditation der Unattraktivität des menschlichen Körpers, in dem dieser in jedes Einzelteil zerlegt wird

Böswilligkeit: wird durch die Meditation der Güte vertrieben; dabei handelt es sich um die Erschaffung selbstloser Liebe und dem Wunsch von Glück und Zufriedenheit für jedes Lebewesen dieser Welt

Trägheit: die Visualisierung eines schimmernden Lichtballs oder Meditation während eines flotten Spaziergangs bieten hierbei Abhilfe

Unruhe: das Ziel zu Ruhe zu gelangen und Sorgen hinter sich zu lassen wird am besten durch die Atem-Meditation erreicht

Zweifel: hier wird vor allem die eigenständige Recherche und das Fragen bei Meistern empfohlen


Aufgabe und Ziel

„The starting point is the defiled mind, afflicted and deluded; the goal is the liberated mind, purified and illuminated by wisdom.“ – Bhikkhu Bodhi

Ziel der Meditation ist es, den meditativen Zustand im Alltag anzuwenden. Das bedeutet also nichts anderes als achtsam, fokussiert und konzentriert durchs Leben zu gehen. Das hört sich einfacher an als es ist; legt man seine Aufmerksamkeit mal bewusst auf seinen Alltag, wird man schnell feststellen, dass wir viel automatisierter durchs Leben laufen als wir glauben. Es soll also ein Bewusstsein für alle Handlungen im Leben und für jeden einzelnen Augenblick geschaffen werden.

Durch Meditation soll außerdem Geduld, Konzentration und objektive Sicht der Wirklichkeit trainiert werden. Dieses soll den drei Verunreinigungen – den Wurzeln des menschlichen Leidens – Gier, Aversion und (Selbst-)Täuschung entgegenwirken. Verhaltensweisen, die durch diese Wurzeln verursacht werden, sollen also ab- bzw. umtrainiert werden.

Wie allgemein bekannt ist, finden ein Großteil an Reaktionen und Handlungen unbewusst statt. Diese zu beeinflussen gestaltet sich also als äußerst schwierig. Es ist jedoch möglich, sein Unbewusstsein zu trainieren, indem zum einen Bewusstsein in jedem Augenblick des Lebens praktiziert wird und zum anderen Aufmerksamkeit auf die eigenen Reaktionen gerichtet wird. Meditation schafft durch die Entwicklung von Ruhe und Konzentration die Voraussetzungen für dieses Unterfangen.


Alltagsbeispiele

Einer der Gründe, weswegen ich die Meditationspraxis starten wollte, waren meine extremen Schlafstörungen, die ich seit meiner Kindheit mit mir herum getragen hatte. Mein ganzes Leben lang probierte ich unterschiedlichste Methoden aus, um diesem Problem gegenzuwirken. Wie bei den meisten Menschen lag der Ursprung jedoch in der Psyche; im vielen Nachdenken um genau zu sein. Durch die Meditation fand ich Kontrolle über jene unnötigen Gedanken und speziell das meditieren vorm zu Bett gehen (oft bereits in liegender Position) half immens. Mittlerweile gibt es kaum Nächte, in denen ich nicht von einem guten Schlaf reden könnte.

Nun hatte die Meditation – und unter anderem natürlich auch die Verbesserung des Schlafs – noch andere Auswirkungen wie z.B. die Steigerung meiner Konzentrationsfähigkeit. Die letzten Jahre hatte ich das Gefühl mein Kopf würde in einer Wolke stecken; ich fühlte mich lasch, langsam und war nicht in der Lage meine Gehirnkapazität in vollem Maße zu nutzen – vor allem als naturwissenschaftlich- und mathematikaffiner Mensch war dieser Umstand furchtbar frustrierend. Selbst die Konzentration fürs Lesen aufzubringen fiel mir schwer! Wie soll man denn so leben? Die Meditation half mir bisher unglaublich dabei dieses Problem zu reduzieren.

Ein weiteres naheliegendes Anwendungsgebiet des Buddhismus und der Meditation, ist die Bewältigung von Depressionen. Ein sehr empfehlenswertes Buch – auch für nicht-depressive Menschen – zu diesem Thema lautet ‚Der Zen-Weg aus der Depression‚ und wurde vom Therapeuten Philip Martin verfasst, der selbst in eine Depression verfiel und diese durch den Zen Buddhismus überwinden konnte.

 

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