La Araucanía (Teil 1)

Time to say goodbye

Die letzten Tage in Pino Hachado verliefen ruhig; keine neuen Volontäre, eine Reittour mit Packpferd und unkomplizierte Gäste in den Cabañas. Satu und ich genossen die friedliche Zeit, wobei man uns beiden schon ansehen konnte, dass wir dringend Abwechslung benötigten. Also machten wir zum Abschluss einen kleinen Trip mit den Pferden um die Gegend zu erkunden – und das in Regen, Hagel und Gewitter.

Nach 5 Monaten wird es nun erneut Zeit zu gehen. Das Wissen, dass die Tore nach Pino Hachado stets geöffnet sind, macht den Abschied leichter.

Jetzt ist jedoch der Moment gekommen, zum ersten Mal in meinem Leben alleine zu reisen.


Aller Anfang ist schwer

Ich hatte noch immer keine Ahnung, wie genau ich die nächsten 10 Tage verbringen sollte. Mein erstes Ziel war die Stadt Curacautin, da ich dringend Internet brauchte und das ebenfalls der Einstiegspunkt zum Nationalpark Conguillio war.

Ein klein wenig nervös, da ich ebenfalls zum ersten Mal alleine versuchte zu hitchhiken, war ich erleichtert schnell und kostenlos bereits zur Mittagszeit in der Kleinstadt anzukommen. Ich nahm mir ein Zimmer IMG_9902im ersten Hostel und staunte nicht schlecht über die Preise in Chile; so schnell kann das teure Reisen in Vergessenheit geraten!

Ein wenig verzweifelt, war es nun tatsächlich Zeit ein wenig Recherche zu betreiben. Ich hatte noch knapp €40,- in chilenischen Pesos und ca. €120,- in Euro und Dollar. Verdammt, ich kann doch momentan kein Geld abheben! Na, dann schreiben wir doch schnell mal meinem guten Freund und Bankberater. …okay, er ist auf Urlaub und kann sich erst in einer Woche darum kümmern… das heißt ich hab für die kommende Woche nur mein Bargeld… und in Curacautin gibt es keine Wechselstube… und in Chile regnet es ständig und ich hab kein Zelt… fuck.

Viele Möglichkeiten blieben mir nun letztendlich nicht und da ich auch keine Lust hatte Geld für Busse auszugeben, beschloss ich erstmal durch den Nationalpark Conguillio nach Melipeuco zu laufen und von dort nach Pucón zu hitchhiken, wo ich mein Geld wechseln und wiederum wandern gehen konnte.


Parque Nacional Conguillio
(16/02/2017-17/02/2017)

Ach, wie herrlich in einem kuschligen Bett zu schlafen und den kompletten Schlafsaal für mich zu haben! Über die letzten Monate hatte ich jedoch komplett vergessen, was es bedeutet in einer Stadt zu übernachten; in Curacautin wurde ich schmerzhaft daran erinnert…

Trotz mieser Nacht startete ich voller Elan meine Wanderung in den Nationalpark. Es dauerte nicht lange und da wurde ich schon vom ersten Autofahrer gefragt, ob er mich denn irgendwohin mitnehmen könne. Insgesamt lehnte ich 7 Personen ab (u.a. einen Motorradfahrer!!), bevor ich nach 15km und einem langsam annähernden Regenschauer der 8. Mitfahrgelegenheit zusagte. Erstaunlich zu sehen, dass man sich als allein-reisende-Frau nicht mal anstrengen muss um zu hitchhiken!

Beim Parkeingang aIMG_9908ngekommen, wurde ich von der teuren  Eintrittsgebühr überrascht: CLP6000,- ! Da hätte ich mich wohl doch ein wenig besser informieren sollen…

Naja, was solls! Vom Eingang startete ein 8km länger Trekkingweg zur nächsten Informationsstelle. Die Wettervorhersage hatte zwar nur leichten Regen angesagt, ich wollte dennoch kein zu großes Risiko eingehen und mich daher bei der nächsten Gelegenheit nach einem Schlafplatz umschauen.

…im Nachhinein frage ich mich, was in Chile als starker Regen gilt…

Kurz nachdem ich mich auf den Weg gemacht hatte, fing ein Sturm über mir zu wüten an. Ich suchte Unterschlupf unter einem schrägen Baumstamm und konnte eine Weile beobachten, wie die restlichen Parkbesucher wie hysterische Ameisen hin und her liefen. Mit der Zeit wurde es immer schlimmer und ich musste nervös feststellen, dass ich hier nicht auf Dauer bleiben konnte.

Nach wenigen Sekunden war meine Kleidung komplett durchnässt; auf dem Wanderweg schien es keine geeignete Stelle zum biwaken zu geben, also rannte ich wieder zurück. In einem lichten Wald konnte ich fürs erste ein paar Bäume zum aufspannen meiner Pläne finden. Mittlerweile war es so kalt geworden, dass es mir schwer fiel meine Hände und Finger zu verwenden. Alles war nass und mich ergriff langsam eine panische Frustration.

Nachdem ich mir einigermaßen ein Lager hergerichtet hatte, stand ich planlos in der Gegend herum und wusste nichts mit mir anzufangen. Zum Schlafen war der Platz ungeeignet, im Augenblick blieb mir aber nichts anderes übrig als abzuwarten… mit frischer Kleidung, Schlafsack und Reader machte ich es mir vorerst gemütlich.

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Einige Stunden ging das erstaunlich gut, bis ich mir tatsächlich mein Bett zurecht machen wollte. In diesem Unterfangen schaffte ich es – Dank der tollen Plane, die ich in Pino Hachado vererbt bekommen hatte – meine komplette Kleidung, den Schlafsack und natürlich auch mich selbst nass zu kriegen. Äußerst gefrustet wollte ich nur noch schlafen und dieses Dilemma hinter mich bringen…

Mit wachen Augen liege ich da, an Schlaf ist nicht zu denken. Der Regen lässt nach, aber ich kann ein stetiges Tropfen auf meinem Schlafsack wahrnehmen…tropf, tropf, tropf… Vom feuchten Boden kriecht mir die Kälte in den Rücken und ich spüre wie sich mein Körper immer mehr abkühlt. Warum fühlt sich mein Oberkörper so seltsam an? …oh, der Schlafsack ist nass, meine Kleidung ist nass… Ich versuche mir die Kälte wegzumeditieren, für einen kurzen Augenblick gelingt mir das ganz gut. Mein Magen grummelt, habe ich etwa Hunger? Ich kann nichts anderes mehr wahrnehmen als das Zittern und Bibbern in meinem Körper, auch die Müdigkeit lässt auf sich warten. Ich kann den Mond sehen und höre wilde Tiere im Wald. Wann ist diese Nacht endlich zuende?

Hm. Irgendetwas ist anders. Ich bin definitiv gerade aufgewacht, mir ist halbwegs warm und… ist das etwa Licht am Horizont? Es ist 7:18 und ich überlege lange ob ich den Moment genießen und noch liegen bleiben soll… ich entschließe mich dagegen.

Erstaunlich frisch packte ich also meine Sachen zusammen, die ich ausschließlich an ihrem FeuchtigkeitsgrIMG_9904ad differenzieren konnte – trocken war in dieser Skala kein vorhandener Begriff. Ich startete nochmals den Versuch den Wanderweg zu bewältigen; nur beim bergauf-gehen konnte ich meine Erschöpfung wahrnehmen. Es brauchte mich jedoch nicht mal 2 Stunden um die 8km zu hinter mich zu bringen, was mich erneut in gute Laune versetzte.

Welche Lehre kann ich nun von meinem Biwak-Versuch mitnehmen? Niemals ohne ISO-Matte, eine gute Plane dabeihaben und wenn möglich rechtzeitig das Lager aufbauen! Ich muss zusätzlich sagen, dass diese Nacht außerdem eine gute meditative Praxis zum Thema Vergänglichkeit darstellte. Man wird immer wieder in prekäre Situationen gelangen; mit der Einstellung, das diese jedoch ebenso ein Ende haben, lassen sie sich leichter bewältigen.

Nach weiteren 7-8km und wunderschönen Anblicken des Nationalparks, fing das Wetter mir wieder an Sorgen zu machen. Es wirkte auch immer schwerer einen geeigneten Schlafplatz zu finden, weswegen ich beschloss bei der nächsten Gelegenheit zu hitchhiken… welche nichIMG_9916t lange auf sich warten ließ. Ein sehr freundliches, amüsantes israelische Paar nahm mich auf Anhieb mit. Wir unterhielten uns über die unterschiedlichsten Dinge, das Leben, Politik und sie baten mich ebenfalls, ihnen ein wenig spanisch beizubringen. Nachdem die Fahrt bisher so gut verlaufen war, gestanden sie mir, dass sie nach Pucón unterwegs waren und ob sie mich bis dahin mitnehmen sollten. Ich willigte glücklich ein.

Dort angekommen gab mir Naomi ihre Kontaktdaten, für den Fall, dass ich mal nach Israel kommen sollte und einen Schlafplatz benötigte. Unglaublich, was Reisen für Möglichkeiten schaffen kann!

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