Sustainable Trekking 

Als ÖsterreicherIn wandert man. Punkt.

Dass mein österreichischer Vater mich als Kind nicht sonderlich davon begeistern konnte, änderte nichts an der Tatsache, dass es sich in den letzten Jahren zu einer meiner größten Hobbies entwickelt hatte.

Als ich zum ersten Mal vom Weitwandern hörte, bildeten sich kühne Vorstellungen wilder Abenteuer in meinem Kopf. Bis vor kurzem wurde mir jedoch von allen Seiten weis gemacht, diese Art herumzukommen wäre unheimlich teuer und viel zu anstrengend. Ich fand niemanden der solch ein Unterfangen mit mir starten wollte und leider fehlte mir lange Zeit die Motivation alleine zu reisen.

Trotzdem verlor ich nie den Glauben, dass Wandern auch günstig vonstatten gehen könnte; über die Jahre entwickelten sich abertausende Ideen und Pläne von fernen Routen durch atemberaubende Länder… unabhängig und frei von jedem Transportmittel zu sein und die Welt auf eine andere Weise zu erleben!

Ohne viel Geld zu reisen war mittlerweile einer meiner Spezialitäten, mir fehlte jedoch noch diese spezielle Erfahrung. Und schließlich erhielt ich im Sommer 2016 die Gelegenheit, auf die Art zu wandern, von der ich nun schon so lange geträumt hatte.

Die Thematik der Nachhaltigkeit ist hierfür jedoch unerlässlich, weswegen ich in diesem Eintrag vor allem auf diese eingehen werde.


Nächtigungen

Wie man sich wohl denken kann, sind Übernachtungen in Hütten auf einer Low-Budget-Trekkingtour aus finanzieller Sicht ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Es gibt daher nur eine andere Möglichkeit und das ist das Zelten bzw. Biwakieren. Nun werden einige eventuell entsetzt aufschreien, denn in vielen Ländern Zentraleuropas ist zumindest das freie Zelten außerhalb von Campingplätzen verboten; so auch in Österreich.

Für das campieren im alpinen Ödland (oberhalb der Baumgrenze) unterscheiden sich die Regelungen je Bundesland, sich diesbezüglich zu informieren macht daher durchaus Sinn. Biwakieren wird jedenfalls als allgemeine Grauzone bezeichnet, doch auch hier gibt es gesetzliche Bestimmungen:

Übergreifend erlaubt wird das „alpine Biwakieren“, also zum Beispiel das ungeplante Notbiwak, zu dem Einzelpersonen im Falle einer Verletzung, eines Schlechtwettereinbruchs oder bei Dunkelheit gezwungen sind. Achtung: Vorsätzliches Biwakieren wird mit einer Zeltübernachtung gleichgesetzt! Bei Zuwiderhandlungen winken je nach Bundesland Geldstrafen bis zu 14.500 Euro.

(Quelle: Österreichischer Alpenverein)

Wer kein Risiko eingehen möchte, ist demgemäß an Hütten und Campingplätze gebunden.


Müll

Einer der wichtigsten Punkte dieser Art von Wanderungen, ist jedoch die Entwicklung eines verantwortungsvollen Umweltbewusstseins; das betrifft vor allem eine korrekte Müllentsorgung.

Ich wurde mit dem Glück gesegnet, in einem Land wie Österreich geboren worden zu sein, das nicht nur das Interesse, sondern auch die Kapazität und Möglichkeiten besitzt, sich nachhaltig um seine Umwelt und vor allem Nationalparks zu kümmern. Wer ein wenig in der Welt herumkommt, wird schnell feststellen, dass dies in den wenigsten Ländern der Fall ist. Ein gewissenhafter Wanderer sollte sich jedoch in jedem Land nachhaltig verhalten!

zugspitze
Diese 3-tägige Wanderung um die Zugspitze hatte alles was ein Abenteurerherz höher schlagen lässt: wunderschönes Gebirge, Übernachtungen in der Wildnis, Baden in Seen und Flüssen und sogar eine Klettersteig-Etappe. Trotz der kurzen Zeit war es möglich die Routen flexibel zu gestalten, so dass wir einfach in den Tag hineinlebten und ad hoc entschieden, worauf wir gerade Lust hatten.

Wanderungen, die über mehrere Tage und Wochen gehen, sind vor allem mit einer Sache verbunden: einem schweren Rucksack. Insbesondere abgelegene Routen, die das Aufstocken von Proviant nur selten ermöglichen, erfordern ein paar zusätzliche Kilo im Gepäck. Die Versuchung, unnötigen Abfall in der Wildnis zu beseitigen, um das Gewicht zu verringern, mag hier besonders groß werden. Trotz allem ist es essentiell diesen mitzuschleppen, bis er sorgfältig beseitigt werden kann.

Manch einer mag nun schmunzeln und sich fragen, warum ich diesen simplen Punkt überhaupt anführe; dabei handelt es sich doch um gesunden Hausverstand. Aus der Praxis musste ich leider dennoch feststellen, dass diese Denkweise nicht für jeden selbstverständlich ist. Und hier geht es nicht nur um die Entsorgung von Plastik, Metall, usw., sondern z.B. auch um das Mitbringen einer Schaufel. Wofür? Na, überleg mal!

Hauptmotto beim Wandern sollte stets folgendes sein: „Hinterlasse keine Spuren!
Das betrifft übrigens auch Bio-Müll. Biologisch abbaubare Reste sollten nur in einer Umgebung zurückgelassen werden, wenn diese in jener Region auch vorgefunden werden können. Eine Bananenschale hat somit nichts in einem österreichischen Wald verloren!


Praktische Tools

Hier noch ein paar praktische Utensilien fürs nachhaltige Wandern:

  • Eine Trinkflasche. Natürlich ist es nicht möglich in jedem Land Flusswasser zu trinken, wenn jedoch die Option gegeben ist dann nutzt sie doch bitte auch! Und selbst wenn Getränke im Supermarkt gekauft werden, können diese umgefüllt und die Verpackung somit gleich akkurat entsorgt werden.

  • Extra Sackerl/Tüten für euren Müll.

  • Ein Hoch auf Tupperware! Vor allem beim Kochen unabdingbar. (Zum Thema Kochen siehe unten.)

  • Liebe Damen, besorgt euch doch eine Menstruationstasse! Damit erspart ihr euch und der Umwelt sehr viel Müll.

  • Eine Stofftasche als Hygienebeutel – ist nicht nur nachhaltiger als Plastik sondern auch effektiver gegen schlechten Geruch.

  • Biologisch abbaubare Seife und Zahnpasta. Ein Tutorial zum selber machen folgt in Kürze 🙂
dolomiten
Das Herzstück einer guten Wanderung: Spontanität! So kam es auch, dass meine ausschließlich geplante Bergtour durch die italienischen Dolomiten, schlussendlich von einer einwöchigen Weitwanderung auf dem Drautalweg gefolgt wurde.

Ernährung

Vorausgesetzt man möchte als Wanderer nicht ständig essen gehen (wer kann sich das schon leisten?), wird man auf längeren Wanderungen nicht drum herum kommen auch mal zu kochen.

Auf meinen anfänglichen Reisen habe ich den Fehler begangen, mich ausschließlich von Fertigprodukten und Ramen zu ernähren. Finanziell gesehen handelt es sich hierbei um eine schlaue Entscheidung; spätestens nach ein paar Wochen wird man jedoch feststellen, dass der Körper eine etwas ausgewogenere Ernährung benötigt.

Empfehlenswert für Wanderungen sind Grundlagen wie Reis, Polenta, Grieß, Couscous, etc., da man hierfür nur eine geringe Menge benötigt und eine Packung so für mehrere Tage verwenden kann. Für meine Wanderung in den Dolomiten habe ich außerdem einen Pappbecher Suppengemüse besorgt (in vielen Supermärkten als fertige Mischung erhältlich) und zusätzlich Suppen- oder Saucenmix verwendet, um mehr Geschmack zu erhalten. Menschen die gerne würzig essen, sollten sich vor der Wanderung auffüllbare Gewürzspender zulegen.

Besonders beliebt bei langen Wanderungen sind Müsliriegel (isst die irgendjemand auch im normalen Leben?). Statt die großzügig verpackten Riegel im Supermarkt zu kaufen – die meistens ohnehin nur billige Cerealien enthalten -, besteht auch die Möglichkeit diese selbst zu machen.

  1. kann man so eigenhändig bestimmen was diese beinhalten
  2. erspart man sich viel Müll, wenn diese in Tupperware verpackt wird (die später für gekochte Mahlzeiten wiederverwendet werden kann)
  3. schmecken selbst gemachte Sachen doch viel besser 🙂

Feuerstellen

Ein wichtiger Hinweis für unsere Outdoor-Köche: es sei gesagt, dass es einen Grund gibt, warum das hantieren mit offenem Feuer ein sensibles Thema ist. Auch wenn Gaskocher und Bunsenbrenner mittlerweile zur Standardausstattung gehören, sind diese mit Vorsicht zu verwenden. Ich habe schon ein paar mal persönlich miterlebt, wie leichtfertige Handhabung zu einem Brand geführt haben – vor allem beim Auswechseln der Gaskartusche ist auf die Öffnung des Ventils zu achten!

Wie beim Zelten ist auch das Entfachen von Lagerfeuern in Zentraleuropa ein wenig problematisch. Da hier Menschen, Tiere und Umwelt drastisch geschädigt werden können, sollten diese tatsächlich nur von verantwortungsvollen Personen gemacht werden, die das dementsprechende Wissen und Können besitzen.


Tierwelt

Somit komme ich nun auch zu meinem letzten, aber nicht minder wichtigen Thema dieses Eintrages: der Tierwelt. Ich möchte mich im Augenblick nicht mit Details befassen; dafür wird es in Zukunft mehr Gelegenheiten geben, denn auch dieser Gegenstand verdient besondere Aufmerksamkeit.

Was ist nun im speziellen beim Wandern zu beachten? Rücksichtnahme, Obacht und gesunder Menschenverstand:

  • füttert und streichelt keine wilden Tiere
  • nehmt Rücksicht auf Brutstätten, insbesondere in Nationalparks
  • wird ein verletztes Tier gesichtet, dann ruft einen Ranger, dieser weiß wie das Tier zu behandeln ist
  • gönnt den Tieren ihre Freiheit. Ihr befindet euch in ihrem Lebensraum, nicht umgekehrt!

Wer sich nun etwas überfordert und unsicher fühlt, dem kann ich nur anraten geführte Wandertouren zu machen. Ich persönlich bin kein Fan großer Tourismusunternehmen, über die letzten Jahre hat sich allerdings eine große Branche etabliert, die sich vor allem auf nachhaltiges Wandern spezialisiert.

Meiner Meinung nach ist es besser, eine nachhaltige Tour mit Profis zu unternehmen, statt einer halbherzig befolgten eigenständigen Wanderung, die eventuell die Umwelt beschädigt.

Frohes Wandern! 🙂

 

 

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9 Einträge zu „Sustainable Trekking 

  • Mir ging es ähnlich. Als Kind bin ich freiwillig keine 200 Meter gegangen und in den letzten Jahren entdecke ich das Wandern immer mehr für mich. Ich würde auch gerne mal eine längere Tour machen wie z.B. den dreitägigen Johannesweg in Oberösterreich, habe aber bisher niemanden gefunden, der mit mir geht. Vielleicht mach ich das mal alleine.
    Ich finde es immer wieder traurig, wie viel Müll mir beim Wandern begegnet.
    Liebe Grüße
    Julie von julie-en-voyage.com

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    • Ich wollte letztes Jahr den Nordalpenweg gehen, allerdings bin ich dann unerwartet schwanger geworden, haha. Der Nachteil einer Solo-Wanderung ist meiner Meinung nach, dass man zu zweit nicht mehr Gepäck braucht und dieses dann alleine tragen muss. Außer man übernachtet natürlich auf Hütten, aber das könnte ich mir nicht leisten…

      Ich finde es auch immer wieder traurig wie viel Müll herumliegt. Wenn ich kann versuche ich zumindest grobe Sachen aufzuheben und selbst wegzuwerfen.

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  • Ein sehr spannender Beitrag der zum Nachdenken anregt. Ich bin kein Wanderfreund, aber ich kenne diese Probleme trotzdem. Ich finde der gesunde Menschenverstand sollte eigentlich ausreichen um zu wissen, dass man seinen Müll mitnehmen sollte, Tiere in Ruhe lassen sollte und Co. Aber leider ist das nicht so selbstverständlich :/

    Liebe Grüße,
    Herzliche Grüße,
    Michelle von The Road Most Traveled

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für das Feedback! Während ich diesen Beitrag geschrieben habe bin ich mir teilweise ein wenig blöd vorgekommen. Ich dachte mir, wie du so schön sagst, das sollten alles selbstverständliche Dinge sein, die einem der gesunde Menschenverstand sagt. Leider sieht die Realität komplett anders aus, was ich sehr traurig finde…

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  • Hey Elisa,

    ein schöner Artikel, der auch durchaus anregt, über seinen eigenen ökologischen Fußabdruck nachzudenken. Wie lange bist du denn auf deinen Touren normalerweise unterwegs und wie viel Gepäck ist dazu nötig?

    Besten Gruß
    Henrik von Fernweh-Koch
    Fernweh-Koch bei Pinterest

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für das Feedback! Bisher waren die Touren nur zwischen 3 und 10 Tage lang, wir waren zu zweit und hatten je einen 65-80l Rucksack. Wobei es beim Wandern meiner Meinung nach keine Rolle spielt wie lange man unterwegs ist: das Gepäck bleibt immer das gleiche 😉

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