All you Need is Love

Ich widme diesen Eintrag Lorenz, durch den ich die Chance hatte, dieses komplexe Thema in neuen Dimensionen zu betrachten und die wunderbare Erfahrung zu machen, wahre Liebe zu empfangen und selbst zu fühlen.

Als eine meiner Kindergarten-Freundinnen vor zwei Jahren heiratete, lud sie mich zu ihrem Jungesellinnenabschied ein. Wir hatten schon vor Jahren Kontakt verloren, weswegen es mich umso mehr freute, einen so bedeutenden Part ihres Lebens mit ihr zu teilen. Ihr Verlobter und sie hatten beschlossen gemeinsam in gemütlicher Runde in einem Pub zu feiern. Bei meiner Ankunft passte sie mich ab und erklärte mir, dass sie unter „besonderen“ Umständen lebte. Sie führte eine polyamore Beziehung, weswegen auch ihre anderen Partner anwesend waren.

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei Polyamorie nicht nur um Sex mit unterschiedlichen Partnern handelt; hier werden tatsächlich mehrere liebende Beziehungen zu verschiedenen Menschen aufgebaut.

Ich fragte mich lange nach diesem Treffen, wie so ein Leben wohl aussehen würde. Zusammen mit meiner besten Freundin, die ebenfalls an diesem Abend anwesend war, kamen wir jedoch zu dem Entschluss, dass wir für Polyamorie nicht geeignet waren. Es ist schön nur einen Partner zu haben, mit diesem alles zu teilen… und das Thema Eifersucht erschien mir persönlich als die größte Problematik.

Heute sehe ich das Ganze ein wenig anders.


Was ist Liebe?

Liebe ist etwas, das uns ein Leben lang begleitet, in jeder Form und Farbe vorkommen kann und doch wissen die meisten nicht so recht, worum es sich tatsächlich handelt. Es gibt einen berühmten Brief, der (angeblich) von Albert Einstein an seine Tochter verfasst wurde, in dem er Liebe als Mysterium und größte Kraft des Universum beschreibt.

In der heutigen Zeit lernen viele Menschen die „Liebe“ wohl durch Disney- und Hollywood Filme kennen; dass diese vor allem in den jüngeren Generationen (meine mit eingeschlossen) meistens komplett unrealistische Auffassungen von Märchenprinzen und einem Happily Ever After erschaffen, spricht eher für eine schlechten Darstellung dieser Thematik.

Auch Literatur und Poesie formen falsche Erwartungshaltungen (zugegebenermaßen, meist kommen diese von Frauen), die an übertrieben romantische Vorstellungen gebunden sind und recht schnell zu bitterer Enttäuschung – und im „schlimmsten“ Fall auch zur Trennung – führen, wenn diese nicht vom Partner erfüllt werden.
Wer sich „glücklich“ schätzen kann, landet in einer Beziehung, in der Romantik so lange ein präsentes Thema ist, wie auch die Verliebtheit anhält. Danach befinden sich die Partner für gewöhnlich ohnehin in einem angenehmen Zustand der Gewohnheit, in dem Romantik keine allzu große Rolle mehr spielt.

Ein etwas trockenere Betrachtungsweise lässt sich heutzutage allerdings auch vorfinden. In seiner „Einsamkeitsforschung“ beschrieb der Soziologe Robert Weiss Liebe als etwas Egoistisches, dass dazu dient „sich selbst indirekt etwas Gutes zu tun“ (Quelle: ‚Wer bin ich und wenn ja, wie viele?‚). Kommen wir der Realität nun näher?

All diese gesellschaftlichen Konditionierungen erzeugen indes ein recht trughaftes Bild davon, was Liebe tatsächlich ist.

Wikipedia äußert sich wie folgt dazu:

Liebe (über mhd. liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes“ von idg. *leubh- gern, lieb haben, begehren[1]) ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist.

Nach engerem und verbreitetem Verständnis ist Liebe ein starkes Gefühl, mit der Haltung inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person, die den Zweck oder den Nutzen einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine entgegenkommende tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Das Gefühl der Liebe kann unabhängig davon entstehen, ob es erwidert wird oder nicht.

(Quelle: Wikipedia)

Diese Definition werden vermutlich die wenigsten Menschen ablehnen. Was mich jedoch stutzig macht, ist der letzte Teil des Absatzes. In diesem würde ich die hier dargestellte Liebe als ausschließlich positives Gefühl interpretieren. In der praktischen Ausführung halte ich das für etwas zweifelhaft.


Eifersucht und Liebeskummer

Wie viel Zeit muss vergehen, bis auf folgenden, simplen Satz keine automatische Antwort in unserem Kopf folgt: „What is love?“

Die Menschen, die sich weder als Internet-süchtig noch Musik-interessiert bezeichnen können, möchte ich aufklären. Bei oben angeführtem Zitat handelt es sich um einen Internet-Post (auf den ich erst kürzlich gestoßen bin), der auf das berühmte Lied „What is love? (Baby don’t hurt me)“ von Haddaway anspielt.

Was im ersten Moment einfach als das lästige Schaffen eines schlimmen Ohrwurms erscheint, besitzt bei weiterer Betrachtung eine viel tiefere und vor allem erschreckende Bedeutung: mit Liebe wird automatisch Leid verbunden.

In der Vergangenheit wurde ich häufig als einfühlsame Ratgeberin in Liebesangelegenheiten bei Bekannten und Freunden tätig. Einige Male wurde es sogar so extrem, dass meine Freundschaft ausschließlich für diese Zwecke „genutzt“ wurde (was selbstverständlich nicht gut geendet hat).  Meistens bereitete es mir dennoch große Freude, meinen Mitmenschen helfen zu können. Denn als Außenstehende ist es in vielen Fällen einfacher Situationen ruhig und objektiv zu betrachten und dadurch eine gelassene Logik ins bestehende Gefühlschaos zu bringen.

Mittlerweile bekümmert es mich jedoch immer mehr, mit alltäglichen Liebesprobleme konfrontiert zu werden.

Weitgehend handelt es sich bei diesen um das Anhaften am Partner (Eifersucht), der Beziehung (Trennungsängste) oder einer illusionären Vorstellung (z.B. Traumprinz und Märchengeschichte). Sämtliche dieser Angelegenheiten sind zu bewältigen; unsere erschaffenen Konstrukte lassen sie in der Realität allerdings als unmögliche Herausforderungen erscheinen, von denen wir uns nicht lösen können.

Dabei muss es wirklich gar nicht so kompliziert sein.

Probleme entstehen normalerweise dann, wenn wir uns u.a. durch Handlungen des Partners verunsichert fühlen. Das kann wiederum jedoch nur geschehen, wenn wir uns selbst verlieren und durch äußere Reize beeinflussen lassen. Wenn wir wissen wer wir sind und diesen Zustand beibehalten, kann uns nichts aus der Bahn werfen. Unsere Persönlichkeit ist nicht von jemandem anderen abhängig.


Liebe im Buddhismus

Die buddhistische Definition der Liebe zu akzeptieren, ist für viele Menschen vermutlich die größte Herausforderung im Buddhismus. In seinem Werk ‚Zen Geist, Anfänger Geist‚ erwähnte auch der Meister Suzuki Shunryū diese Problematik; die Unterscheidung zur gesellschaftlich konditionierten Ansicht der Liebe ist einfach zu groß.

Auf zahllose Leute wirkt die buddhistische Liebe gleichgültig; Dinge wie Eifersucht sind doch absolut natürlich und ein Ausdruck wahrer Liebe!! Bei genauerer Betrachtung wird man jedoch recht schnell feststellen, dass solch ein Verhalten nur auf besitzergreifendes Anhaften zurückzuführen ist und mit wahrer Liebe wenig zu tun hat. Jeder Mensch ist sein eigener Herr und führt ein eigenes Leben, das sollte auch – oder gerade eben – vom Partner respektiert werden.

Als ich anfing die buddhistische Lehre zu studieren, war das Thema Liebe für mich von größter Bedeutung. Seit Jahren beschäftigte ich mich nun schon mit jener Thematik und nach unterschiedlichen Erfahrungen war ich noch immer auf keinen Schluss gekommen; stattdessen verwirrte es mich umso mehr.

Zu meinem Glück stieß ich damals auf das Buch Zen und die Kunst sich zu verlieben (Brenda Shoshanna), das mir einen Einblick auf Liebe und Partnerschaft im Buddhismus gab. Die meisten Dinge kamen mir zu diesem Zeitpunkt zwar selbstverständlich vor, richtig begreifen konnte ich sie hingegen nicht. Erst jetzt, nachdem ich schon einige Monate Praxis hinter mir habe, fange ich an, ein tieferes Verständnis zu entwickeln.

Wodurch zeichnet sich buddhistische Liebe nun aus?

Grundsätzlich existiert im Buddhismus eine universelle Liebe für jedes Lebewesen. Das bedeutet es gibt keine Unterscheidung zwischen der Liebe zu Familie, Freunden, Partner und sogar Feinden. Ziel ist es, jeden Menschen auf die gleiche Weise zu lieben.

Diese Liebe ist nicht in der Lage Leid zu verursachen, dieses kommt u.a. von der fehlenden Akzeptanz der Vergänglichkeit des Lebens. Denn alles ist vergänglich: Besitz, Gefühle, das Leben selbst und somit auch Beziehungen. Das bedeutet nicht, dass eine Partnerschaft nicht bis ans Lebensende andauern kann, ganz im Gegenteil. Aber am Ende wartet der Tod auf jedes Individuum und der Schmerz, einen geliebten Menschen zu verlieren, ist für manche kaum zu bewältigen.

Da es im Buddhismus darum geht, ein leidloses Leben zu führen, ist das Lösen von Bindungen und dem Anhaften an vergänglichen Dingen eine Notwendigkeit. Das Einzige was tatsächlich existiert, ist der jetzige Augenblick.

Das mag nun deprimierender klingen als es tatsächlich ist. Es ist hingegen ein unglaublich befreiendes Gefühl, sich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und diesem seine komplette Aufmerksamkeit zu schenken. Dadurch gibt man sich selbst und seinem Partner die Möglichkeit, sich absolut aufeinander einzulassen und besitzt auch bei auftretenden Problemen die Konzentration und Ruhe, mit diesen sorgsam umgehen zu können.

Bindungen beziehen sich nicht nur auf die Vergänglichkeit, sondern auch auf Menschen und Vorstellungen. Wie viele Menschen verlieben sich in eine bestimmte Person, nur um diese schlussendlich doch ändern zu wollen?! Traumprinzen gehören in Bücher und Filme, nicht in die Realität. Ein Partner kann nur das geben, was sein Charakter und seine Einstellung zulässt – zu hohe Erwartungen werden das nicht ändern. Oftmals haben solche Forderungen die umgekehrte Wirkung: der Partner fühlt sich unter Druck gesetzt und zieht sich zurück. Spürt das Gegenüber stattdessen Akzeptanz und Freiheit, so wird es vielleicht gewillter sein, über die eigenen Grenzen zu gehen.

Einer der – meiner Meinung nach – schwierigsten Punkte des Buddhismus, ist auch die Loslösung der Anhaftung an den Partner selbst. Liebe bedeutet, sich über das Glück des Partner zu freuen und ihm zusätzlich alles Glück der Welt zu wünschen. Im Extremfall heißt das allerdings auch, dass die Chance besteht, nicht selbst die Person zu sein, die den geliebten Menschen glücklich machen kann. Wer in dieser Situation dem geliebten Menschen alles Gute wünschen und sich ehrlich für sein Glück freuen kann, der weiß, was wahre Liebe ist.

Hier nur ein kleider Ausschnitt davon, was Liebe im Buddhismus bedeutet. Es wäre kaum verwunderlich, wenn ich mit diesem Teil anfangs auf viel Ablehnung stoße. Gewiss benötigt es eine Weile, bis die konditionierten Einstellungen zur Liebe durchbrochen werden können; das Resultat ist zweifellos phantastisch.

Das Wichtigste ist Geduld. Wie alles im Leben sind neue Dinge stets mit Training verbunden – alte Handlungsweisen und Reaktionen müssen umtrainiert werden und das benötigt vor allem eines: Zeit. Stress mit sich selbst und/oder seinem Partner sind hier absolut kontraproduktiv.

~*~*~*~

Am Ende angekommen, möchte ich nun nochmals auf meine aktuelle Ansicht zur Polyamorie zurückkehren.

Zwischen der buddhistischen Ansicht der Liebe und der Polyamorie lassen sich vor allem zwei Zusammenhänge finden:

  • der bewusste Genuss vom jetzigen Moment, mit dem einen Menschen der gerade anwesend ist
  • Liebe als Ausdruck des eigenen Glücks, über das Glück des Partners

Anders als im Buddhismus ist Eifersucht in der Polyamorie ein sehr präsenter Begriff, jedoch ist das Erlernen eines gesunden Umgangs dieser Thematik in beiden Fällen von großer Bedeutung.

Trotz Veränderung meiner Einstellung, hat sich mein Wunsch nach einer monogamen Partnerschaft nicht geändert; dieser besteht allerdings aus zeitlichen Gründen. Lange war für mich unverständlich, wie in einer allumfassenden Liebe Sinn für eine Partnerschaft existieren sollte – ein Umstand, mit dem ich, als überzeugter Beziehungsmensch, furchtbar unglücklich war.

Mittlerweile sehe ich den Unterschied zwischen der Liebe, zu allen Lebewesen dieser Welt und jener, für eine bestimmten Person in der Bereitschaft, diesem einen Menschen seine eigene, wertvolle Zeit auf dieser Erde zu schenken.

 

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