Interrail

Sommer 2008. Die langjährige Beziehung mit meiner ersten großen Liebe ist vor ein paar Wochen in die Brüche gegangen. Nicht nur dass ich erfahren muss, dass er schon wieder eine Neue hat, nein, mein aktueller Lover hat sich nun ebenfalls für 3 Wochen ins Ausland verabschiedet. Viel schlimmer kann’s wohl echt nicht mehr werden!

Denkste… denn genau in dem Moment schreibt mir mein bester Freund – meine einzige Hoffnung zurzeit -, dass er heute Abend mit zwei unserer Freunde eine Interrail Tour starten möchte. Sie hatten schon seit Wochen davon geredet; nun war der Augenblick gekommen, dass sie es durchziehen wollten.

Na toll… jetzt soll ich den restlichen Sommer alleine zuhause verbringen? Ohne Partner, ohne Freunde, ohne Beschäftigung… “Na, dann fahr doch mit!“, sagte mein bester Freund. Ja klar… als ob ich einfach so, spontan am selben Tag noch mir nichts, dir nichts wegfahren könnte! “Aber wir wollen doch nach Paris fahren!“

Woah… einen Moment! Paris? Das berühmte Paris? Ist es tatsächlich möglich Paris zu sehen?

Es mag unglaublich absurd klingen, aber die Vorstellung nach Paris zu reisen erschien mir damals wirklich als absolute Unmöglichkeit. Mit der Aussicht in diese unglaubliche Stadt zu fahren, erweckte mein bester Freund eine Sehnsucht in mir, die immense Auswirkungen auf meine komplette Zukunft haben würde!

Ich zögerte nicht mehr lange, lief zur Bank und kümmerte mich um die notwendigen Finanzen. Danach packte ich meine Koffer und betrat nervös das Zimmer meiner Mutter. “Ich fahre heute Abend für eine Woche mit meinen Freunden weg.“ Total entgeistert und sprachlos sah sie mich an. Sie wollte mich nicht gehen lassen, aber ich wusste, dass ich genau das gerade brauchte und daher tun musste. Also ging ich einfach.

Um Mitternacht desselben Tages startete ich meine erste Reise.


Niederlande – Frankreich – Deutschland

Aufgrund der Spontaneität meines Entschlusses, hatte ich natürlich keinerlei Einfluss oder Information zur Planung des gesamten Unterfangens; ich überließ alles meinen Freunden. Wir hatten uns ein 5 in 10 Tage-Pass besorgt, der damals € 159,- kostete; zusätzlich dazu benötigten wir allerdings noch das österreichische Sommerticket um € 20,-. Achtung: die Preise sind bei weitem nicht mehr aktuell!

Unser Weg führte uns über München und Köln nach Amsterdam – welch andere Destination könnte man denn sonst als neugieriger Reisende in Europa anstreben! In aller Ruhe und Gemütlichkeit genossen wir unsere Jugend in dieser wunderschönen Stadt und lernten das Leben von einer neuen Seite kennen. Doch alles muss irgendwann enden und so machten wir uns nach 4 Tagen zum Ziel meiner damaligen Träume auf: Paris!

Abgesehen von der Unterkunft in Amsterdam hatten wir keine Buchungen, daher war die Suche nach geeigneten Zugverbindungen immer etwas sehr kurzfristiges (wie genau das uns später große Probleme bereitete weiter unten). Wir fanden also einen Zug, der über Brüssel nach Paris fuhr, wo wir dann am späten Nachmittag ankamen.

Und dann kam die große Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit! Kreuz und quer und vor allem komplett planlos gingen wir durch die Straßen. Die Hoffnung etwas in unserer Preisklasse zu finden, sank allerdings immer mehr. Gegen Ende fanden wir ein vergünstigtes Angebot in einem Holiday Inn (das in Kooperation mit einem Hostel stand), wodurch wir wider Erwarten eine unglaublich feine Nacht vor uns hatten.

Schnell geduscht und umgezogen war es nun endlich Zeit die Stadt zu erforschen! Und auch ein kleiner Snack wäre nicht schlecht… wir hatten seit dem Frühstück nichts gegessen und langsam wurde das Geld knapp… irgendwie hatten wir unser Budget in Amsterdam schlecht eingeteilt *hust* Zum Glück war in unserer Übernachtung ein Frühstücksbuffet inkludiert, denn wir hatten tatsächlich keine Ahnung, wann wir unsere nächste Mahlzeit einnehmen würden.

Bevor wir am folgenden Tag den Eiffelturm besteigen wollten, mussten wir uns erst um die Weiterfahrt kümmern. Und da kam dann auch der große Schock: sämtliche Züge Frankreichs (TGV) sind reservierungspflichtig und außerdem auch noch komplett ausgebucht! Tja verdammt… und jetzt?

Stundenlang suchten wir also nach möglichen Verbindungen und so wie es aussah, blieb uns nichts anderes übrig als vorzeitig nachhause zu fahren. Ich konnte mich keinesfalls damit zufrieden geben, weswegen ich mich erneut auf die Suche machte – und siehe da, ich fand einen, etwas umständlichen, Weg zu unserem nächsten Ziel in Norddeutschland: den Heidepark in Soltau.

Der einzige Haken: wir mussten sofort unser Gepäck holen und losfahren und konnten somit nicht mehr zum Eiffelturm. Drei von uns kamen damit zurecht, nur einen traf dieses Schicksal sehr hart; wie konnte er nur nach Paris fahren, ohne am Eiffelturm gewesen zu sein! …überraschenderweise war es wahrhaftig eine unglaubliche Tragödie für ihn.

Von der Mehrheit überstimmt machten wir uns trotzdem auf den sehr langen und anstrengenden Weg nach Soltau, wo wir unseren letzten Tag auf Achterbahnen und diversen Fahrgeschäften verbrachten.

Auf der Rückfahrt nach Wien kratzten wir am Hamburger Bahnhof nochmal 50 cent für ein Fladenbrot zusammen; nun waren wir wirklich Pleite 😉

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