Kulturelle Diversität

Ein Thema, dass mich vor allem dazu bewegt hat ein Philosophiestudium zu beginnen, ist die Interkulturelle Philosophie. Beim Reisen wird vor allem der Terminus Kultur zum stets wiederkehrenden Gegenstand, der allerdings auch im Alltag an Präsenz zunimmt.

Kultur wird dabei vor allem durch die Unterschiede in Weltbildern, Handlungen und Ritualen bemerkbar, die sich je nach Region und Land stark differenzieren können. Im Extremfall führen diese leider häufig zu rassistischen Neigungen; der Umgang mit dem Unbekannten fällt vielen Menschen nach wie vor schwer.

In diesem Eintrag möchte ich gerne eine Übersicht einiger kulturellen Thematiken darlegen.


Kultur und Tourismus

Während dem Reisen erschienen mir die Auswirkungen des Tourismus auf regionale Kulturen besonders auffallend. Zu diesem Thema möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt – im Bezug auf nachhaltigem Tourismus – nochmals genauer eingehen, die besten Beispiele boten mir allerdings Thailand und Myanmar.

Aufgrund des rapiden Tourismus-Booms in Thailand, der insbesondere partysüchtige Teenager auf die Inselparadiese zieht, lässt der Umgang der Einheimischen mit Touristen sehr zu wünschen übrig. Absolut verständlich, denn wer findet es schon toll, ständig besoffene und randalierende Kinder in seiner Gegenwart zu haben!? Die einzige Möglichkeit damit umzugehen, ist das Beste daraus zu machen und diesen Idioten zumindest so viel Geld wie möglich abzuknöpfen. So kommt es dann also, dass man als weißer Tourist in Thailand nur als laufender Bankomat angesehen wird.

Und genau diesen Wechsel von freundlicher, buddhistischer Kultur zu geldgeilen Unternehmern konnte ich ganz stark in Myanmar beobachten. Während man in kleinen Dörfern von neugierigen Kindern, die ihre Englischkenntnisse aufbessern wollten, und Erwachsenen, die vom europäischen Bartwuchs fasziniert waren, angesprochen wurde, bekam ich in bereits touristischeren Gebieten öfter mal den Satz „Ach, du hast doch sowieso Geld, das kannst du dir schon leisten!“ zu hören.

Ob wachsender Tourismus also tatsächlich ausschließlich positive Auswirkungen hat, bezweifle ich ehrlich gesagt eher…


Politik, Religion & Kultur

Interessant sind ebenfalls die Auswirkungen von Politik und Religion auf die Kultur; diese werden vor allem im Islam relevant. Ein äußerst wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist wohl der Laizismus. Aktuell bezeichnen sich 16 Länder als laizistisch, darunter auch die Türkei.

Wie funktioniert es jedoch, Staat und Religion zu trennen, wenn diese seit ihrer Gründung miteinander verbunden waren? Im Gegensatz zum Christentum, wo die Kirche stets eine eigene, separate Machtposition darstellte, vereinigte im Islam der jeweilig regierende Kalif Religion und Politik und wurde so zum Oberhaupt der islamischen Kultur.

In vielen politischen Debatten wird genau dieser Punkt immer wieder zum Problem. Politikwissenschaftler stehen jener historischen Auslegung jedoch skeptisch gegenüber und halten diese Verbindung als ein erschaffenes Konstrukt um den Islam als Einheit zu definieren.

Mehr zu diesem Thema kannst du hier nachlesen.


Interkulturelle Philosophie

Zum Abschluss möchte ich noch einen kurzen Überblick zum Ursprung der Kulturdebatte in der Philosophie anhand Franz Wimmers Werk ‚Interkulturelle Philosophie‚ geben.

Der Begriff Philosophie wird in den meisten Fällen mit der griechischen Definition und als Kulturmerkmal der griechischen Antike gleichgesetzt, was in der Vergangenheit zu einem Überlegenheitsgefühl der okzidentalen Philosophie gegenüber anderen geführt hat. Außereuropäische Philosophien (z.B. fernöstlich, indisch, islamisch) wurden in Folge dessen nicht ernst genommen oder vollständig ignoriert. Gründe für diese Annahme liegen im Ursprung des Wortes und der Disziplin der Philosophie in Griechenland.

Philosophie beschreibt allerdings nicht nur das Gebiet einer Denktradition, sondern fungiert außerdem als Wissenschaftssprache, was die Verwendung unterschiedlicher Fachbegriffe oder Bezeichnungen für nicht-okzidentale Disziplinen problematisch macht. Wimmer führt an dieser Stelle an, dass die Entwicklung eines Alternativbegriffs eine der Aufgaben einer interkulturellen Philosophie sein sollte.

Ziel der interkulturellen Philosophien ist gemäß Wimmer „nicht nur […] Interpretation und Verstehen bzw. […] die Ausweitung der historischen Horizonte, sondern […] die Entwicklung einer Weltphilosophie“, die durch einen gemeinsamen Polylog entwickelt werden soll. Der Polylog ist ein von Wimmer entwickelter Begriff, der eine interkulturelle Kommunikation schaffen soll, um gemeinsam philosophische Fragen zu erarbeiten und somit eine universelle Wahrheit zu kreieren.


Ein zeitgenössischer Philosoph, der sich in der interkulturellen Philosophie einen Namen gemacht hat, ist der in Wien lebende Hakan Gürses. Sein Artikel ‚Kultur lernen: auf der Suche nach dem eigenen Ebenbild?‚ ist als Basis in der interkulturellen Forschung nicht mehr wegzudenken. In diesem beschäftigt sich Gürses vor allem mit der Performativität des kulturwissenschaftlichen Diskurses, welche er als „Wirklichkeitskonstruktion von Wissenschaften“  bezeichnet.

Obwohl in der Wissenschaft erschaffene Begriffe wie „Ausländer“, „Fremde“ oder „Migranten“ eine sachliche Auseinandersetzung und Erforschung der Kulturwissenschaften bieten sollen, führt jener Prozess zu einer negativ behafteten Kulturalisierung und schürt Rassismus und Ethnisierung.

In Folge dessen führt sie außerdem zur Schaffung und Verbreitung von Stereotypen, da das Fremde anderer Kulturen im Fokus liegt. Maßnahmen dieser Problematik entgegen zu wirken (z.B. in Form interkultureller Bildungskonzepte), konnten bisher keine substanziellen Erfolge aufweisen, da auch diese bloß auf einer eurozentrischen Sichtweise und Interessensvermittlung basieren, bei dem andere (außereuropäische) Kulturen lediglich als „Anschauungsmaterial“ fungieren.

Zusammengefasst bedeutet das also, dass der Kulturbegriff im Allgemeinen vielleicht sachlich erscheint, in der Regel führen kulturelle Unterschiede aber – wie bereits oben erwähnt – oftmals zu rassistischen Einstellungen.


Weitere Literatur

Dass kulturelle Fragen nicht ein neuzeitliches Phänomen sind, lässt sich vor allem im ‚Dissoi Logoi‚ erkennen, das 400 v. Chr. von einem unbekannten Sophisten verfasst wurde. Dabei handelt es sich um einen kurze Beobachtung kultureller Unterschiede – und die dabei existente Abneigung gegenüber Handlungsmuster verschiedener Völker – in der Antike. Auch Sigmund Freud beschäftigte sich in seinem Werk ‚Das Unbehagen der Kultur‚ mit der Kulturentwicklung seiner Zeit.

Zum Thema der interkulturellen Philosophie lässt sich unzählige Lektüre finden; sehr empfehlenswert ist allerdings die regelmäßig erscheinende Zeitschrift polylog, die u.a. von Franz Wimmer und Hakan Gürses gegründet wurde.

„The ordinary reverence, the reverence defined and explained by the dictionary costs nothing. Reverence for one’s own sacred things —parents, religion, flag, laws, and respect for one’s own beliefs— these are feelings which we cannot even help. They come natural to us; they are involuntary, like breathing. There is no personal merit in breathing. But the reverence which is difficult, and which has personal merit in it, is the respect which you pay, without compulsion, to the political or religious attitude of a man whose beliefs are not yours. You can’t revere his gods or his politics, and no one expects you to do that, but you could respect his belief in them if you tried hard enough; and you could respect him, too, if you tried hard enough. But it is very, very difficult; it is next to impossible, and so we hardly ever try.“

– Mark Twain

 

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