Cabalgando en Patagonia

06/12/2015 – 10/02/2016

26/12
Für Lorenz, Dominik und mich begannen heute 2 komplett eigenständige Reittage in Argentinien 🙂

Wie kam es dazu? Am 28. startet eine 3-tägige Reittour von der Nähe Villa Pehuenias nach Pino Hachado. Da Hernan aber keinen Transporter für die Pferde finden konnte, mussten diese erst zum Anfangspunkt gebracht werden – und da kommen wir ins Spiel 😉
Die Strecke beträgt ca. 55 km, am Nachmittag des 1. Tages würde uns Hernan mit dem Auto abpassen, uns Zelte, unsere Kleidung und Essen bringen.

Um 11:00 Uhr starteten wir unseren Ritt. Etwas müde von der leicht schlaflosen Nacht, ausgelöst durch Anastacias und Karas Gezanke und Gebell, das die ganze Nacht anhielt und auch in der Früh weiterging…
Die ersten 2,5 Stunden vergingen ziemlich langsam, da wir versuchten nach Hernans Landschaftsbeschreibungen Ausschau zu halten und die Pferde außerdem mehr als faul unterwegs waren – bei einem 2. Pferd im Schlepptau, war es auch nicht so einfach Gas zu geben. Nachdem wir seinen vorgesehen Rastplatz nicht finden konnten, ritten wir bei der nächsten Gelegenheit zu einem schattigen Platz, wo wir und die Pferde für eine Stunde essen und ruhen konnten, bevor wir sie anschließend umsattelten und weiterritten.

Der 2. Part des Tages verlief schon viel besser, wir trabten mehr und konnten so eine größere Strecke zurücklegen. Da wir aber die Entfernungen nicht einschätzen konnten, ritten wir länger als geplant – auch weil Hernan immer noch nicht aufgetaucht war.
Gegen 19:00 Uhr fanden wir ein nettes Plätzchen am Fluss, mit genügend Futter für die Tiere und einer Feuerstelle für uns. Jetzt mussten wir nur noch auf Hernan warten.

Es vergingen weitere 1,5 Stunden und wir machten uns langsam Sorgen, dass er uns nicht finden würde – da hörten wir auf einmal seine Stimme aus dem Funkgerät! Er teilte uns mit, dass es Probleme mit den Hunden gab, weswegen er erst so spät kam. Wir waren einfach glücklich, dass wir nicht im Freien schlafen mussten 😉

Die Stimmung trübte sich aber gewaltig bei seiner Ankunft, als er uns von den Hundeproblemen berichtete. Nachdem wir losgeritten waren, war Hernan nach Las Lajas gefahren, um Besorgungen für die Tour zu machen.
In der Zeit hatten sich Anastacia und Kara (dessen Zwinger nebeneinander lagen und nur durch ein Gitter getrennt waren) wieder gestritten, scheinbar aber so schlimm, dass Anastacia versucht hatte Kara zu attackieren, was dazu führte, dass Kara ihr Bein zu fassen bekam und es komplett zerfleischte… damit endete es aber noch nicht, denn Boris (Karas Bruder, der mit ihr im Zwinger war) mischte sich ebenfalls in den Kampf ein und packte sie an der Kehle…
So fand Hernan die Hunde bei seiner Rückkehr vor. Amandine, die zuhause geblieben war, hatte angeblich von dem Kampf nichts bzw. erst zu spät mitbekommen…
Aus dem Grund war Hernan die letzten Stunden damit beschäftigt gewese, Anastacia irgendwie zusammenzuflicken, in der Hoffnung, dass sie überleben würde… Er war sehr angeschlagen und versuchte daher auch wieder schnell zu den Hunden zurückzukommen.

Wir versuchten uns nicht allzu sehr durch die furchtbaren Nachrichten deprimieren zu lassen (was extrem schwer war), bauten unser Lager auf, machten ein Lagerfeuer und aßen zu Abend.

27/12
Gegen 3:00 Uhr wachte ich plötzlich auf, da ich etwas gehört hatte; aufgrund der unglaublichen Helligkeit glaubte ich aber, dass es schon Morgen war. Als ich gerade aus dem Schlafsack schlüpfen wollte, hörte ich Lorenz (der aufgrund seines superwarmen Schlafsacks im Freien schlief) nach den Reisepässen fragen – spätestens da hätte die Situation für jeden logisch denkenden Menschen klar sein sollen. Der Anblick eines Freundes, der sich kniend auf dem Boden mit den Händen hinter dem Kopf und umrundet von mehreren Männern mit Schrotflinten befindet, ließ meinen Verstand jedoch für einen Moment aussetzen und ein klein wenig panisch werden.

Natürlich handelte es sich aber nur um die Polizei, die eine Grenzparole machte, da es in der Region viele illegale Grenzüberschreitungen gibt – und Lorenz hatte sich (wie ich später erfuhr) in dem Moment nur gestreckt, es handelte sich also nur um einen unglücklichen Zufall.

Die Polizisten kontrollierten unsere Reisepässe, fragten nach unseren Plänen in der Umgebung und waren nach 10 Minuten wieder verschwunden (nachdem ich ihnen mitgeteilt hatte, dass wir Freunde von Hernan wären).
Trotzdem blieb mir der anfängliche Schock noch lange intus, so dass ich, zusätzlich zur Kälte und der Sorge die Pferde könnten gestohlen werden, einen weiteren Grund hatte, die Nacht nicht schlafen zu können.

Um 09:00 Uhr kam Hernan um Dominik, der auf dieser Tour der Fahrer war, die nächsten Stopps zu zeigen. In der Zwischenzeit genossen Lorenz und ich mit je 3 Pferden einen wunderbaren Ritt Richtung Villa Pehuenia, wo wir zu Mittag von den beiden anderen abgepasst wurden.
Für Lorenz wurde es Zeit mit Hernan zurück nach Pino Hachado zu fahren, während Dominik und ich die letzten 10 km zum nächsten Camp zurücklegen mussten.
In Villa Pehuenia machten wir eine kurze Pause da sich Dominik Eis kaufen wollte – um 80 Pesos!!!!

Bis dahin war der Tag sehr gut verlaufen, das änderte sich aber 2 km bevor wir am Ziel ankommen hätten sollen… wir hatten auf eines der Pferde unser Gepäck geschnallt, dieses war während einem schnelleren Ritt runter gefallen, weswegen wir absteigen und es wieder anbinden mussten. Genau in dem Moment kam aus dem Gebüsch ein anderes Pferd gesprungen, was dazu führte, dass unsere Pferde erschraken und panisch davon liefen. Das Ganze spielte sich innerhalb einiger Sekunden ab, für uns verging der Moment aber wie in Zeitlupe – ich hatte unglaublich viel Glück, da ich zu dem Zeitpunkt im Weg der Pferde stand und sie quasi über mich drüber liefen… die Folgen waren jedoch nur ein paar Schürfwunden, ein geprelltes Handgelenk und der Gedanke „Fuck, wir haben die Pferde verloren! Was machen wir jetzt?“

Auf Details will ich jetzt nicht eingehen, der Schock und das furchtbare Erlebnis sitzt noch zu tief in den Knochen. Jedenfalls hatten wir unheimliches Glück, der gefühlte ganze Ort half uns die Pferde wieder einzufangen und bis auf ein paar kleineren Schäden (wie meiner Kamera…) hatten wir keine Verluste. Außerdem hatte ich mein ganzes Leben noch nie so viel Spanisch gesprochen wie in diesen paar Stunden haha.

Die Nacht verbrachten wir an einem Campingplatz 5 km entfernt vom geplanten Treffpunkt (denn die Pferde ließen sich keinen Millimeter mehr bewegen). Aufgrund der wiederkehrenden, nun verstärkten Paranoia wurde es wieder eine schlaflose Nacht…

28/12
Gestern Abend riefen wir noch Hernan an und erklärten ihm die Situation. Wir verabredeten uns mit ihm um 6:00 Uhr bei unserem Campingplatz, von wo wir die Pferde vorbereiten und zur Grenze bringen würden. Dort teilte er uns mit, dass einer der Tourteilnehmer kurzfristig abgesprungen war, was dazu führte, dass ich nun die gesamte Tour mit 2 Pferden machen musste – ayayay…

Die anderen 2 Teilnehmer Jeffrey und Kara (USA) waren super nett und total begeistert, was sehr hilfreich dabei war die Stimmung aufrecht zu erhalten.
Logischerweise hatte ich während der Tour einige Probleme, so wie vermutlich jeder, der es nicht gewöhnt ist 2 Pferde gleichzeitig einen Berg rauf und runter zu reiten… gemischt mit den beiden schlaflosen Nächten, war ich nach dem 1. Tag ein totales Wrack – mir war jedenfalls klar, dass jemand anderer den 3. Tag reiten konnte bzw. musste.

Am Abend campten wir in einem Wald, machten ein Lagerfeuer, Hernan kochte tolles Essen und wir tranken Bier und Wein. Alles in allem wirklich schön, aber mit einem Pferd könnte ich es wohl mehr genießen…

29/12
Heute hatten wir 40 km vor uns, da wir am Abend in Pino Hachado ankommen mussten. Langsam bekam ich raus, wie man am besten mit 2 Pferden ritt, aber es war immer noch eine Herausforderung und man merkte, dass Hérnan schon etwas genervt war – so wie ich! Das führte dazu, dass die Stimmung den ganzen Tag ziemlich schlecht war und mit jeder Stunde schlechter wurde… Gegen Ende hin war es schon eine absolute Katastrophe und daheim angekommen brauchte ich erst ein bisschen Zeit, bevor ich wieder in der Lage war irgendwas zu tun…

Resümee der Tour:
Definitiv keine Tour mehr mit 2 Pferden!! Ich bin mir nicht mal sicher ob ich noch eine mehrtägige Tour machen werde, nachdem die nächsten Reiter alle fortgeschrittener sind…
Fotos konnte ich während der gesamten Tour nicht machen (zum Glück war Jeffrey so nett mir seine zu geben) und ich hatte am ganzen Körper Verletzungen!

Was war so während der Tour passiert?
*Ich bin 2x vom Pferd gefallen (beide Male, weil mich das 2. Pferd hinter mir aus dem Sattel gezogen hatte)
*Auf all meinen Fingern befinden sich Brandblasen, da mir – wiedermal das 2. Pferd – den Strick öfters aus der Hand gerissen hatte
*2x konnte sich das 2. Pferd befreien, so dass wir hinterher galoppieren und es wieder einfangen mussten…
Ansonsten habe ich blaue Flecken, Prellungen, etc. – aber zumindest meine Kratzer (von den Hunden) konnten während der Zeit verheilen!

Ich möchte die Tour jetzt aber nicht komplett schlecht reden; die Landschaft war unglaublich schön und die Chance zu haben, so eine Tour machen zu können und so viel dabei zu lernen ist ein Wahnsinn! Trotzdem wäre es mir lieber gewesen, ich hätte ein bisschen was von der Tour genießen können – zumindest ist es jetzt ein Kinderspiel für mich auf EINEM Pferd zu reiten 😉

 

 

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