Mit dem Rad durch die Welt

Eine weitere Art, nachhaltig um die Welt zu kommen, ist das Fahrrad. Die wichtigsten Vorteile gegenüber dem wandern sind zum einen die Transportmöglichkeit größerer Gepäck-Mengen und zum anderen das Zurücklegen weiterer Strecken. Ein großer Nachteil: Fahrrad-Equipment ist überaus teuer!

Vielen mag auch das ständige Sitzen auf dem Sattel extrem unbequem vorkommen. Untrainierte werden schnell Schmerzen am Po haben. So habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass sich viele Männer davor sträuben, längere Fahrrad-Touren zu machen, aus Sorge ihrem Gemächt zu schaden.

Auch mein werter Ehemann fand die Vorstellung, mehrere Monate auf einem gewöhnlichen Fahrrad zu sitzen, nicht besonders prickelnd. Sein alternativer Vorschlag dazu: wir könnten uns doch Liegeräder besorgen!


Liegeräder müssen her!

Wer kommerzielles Equipment für teuer hält, dem wird der Preis von Liegerädern schlichtweg umhauen. An einen Neukauf war nicht im Traum zu denken. Also blieb nur die Option gebrauchter Räder zur Verfügung.

Wir besorgten uns also zwei Liegeräder, wovon eines schon komplett als Reiserad ummodelliert und mit jeglich notwendigem Zubehör ausgestattet war. Der bisherige Besitzer, ein überaus erfahrener und euphorischer Outdoor-Veranstalter, gab meinem Mann zahlreiche Tipps und Informationen rund ums Reisen mit dem Liegerad, was letztendlich dazu führte, dass wir das zweite Rad ebenfalls umbauen mussten.

Die bisherigen Kosten der beiden Räder inklusive Equipment: ungefähr € 7.000,- . Und hier muss erwähnt werden, dass für eine lange Tour noch einige sehr große Investitionen offen stehen…

Lange Rede, kurzer Sinn: die Anschaffungskosten für eine Radreise ist teuer. Selbstverständlich haben wir uns die Luxusvariante ausgesucht. Diese erscheint uns für eine mehrjährige Reise – zu dritt – allerdings als “notwendig“.


Erste Testfahrt

Bevor wir jedoch unser großes Projekt starten, wollten wir unsere Räder natürlich mal Probe fahren. Aus diesem Grund haben wir uns im Juli 2017 auf eine 4-tägige Tour in Deutschland entschieden. Ein sehr kurzer Trip? Ja, mag sein. Allerdings hatten wir auch eine etwas komplizierte Ausgangslage 😉


Altmühl- und Donauradweg
270 km weit fuhren wir zuerst an der Altmühl entlang, bevor wir ab Kelheim dem Donauradweg bis Passau folgten!

Das ganze fing damit an, dass wir sehr spontan, nach unserem kürzeren Aufenthalt von 4 Monaten in Deutschland beschlossen, nach Österreich zu ziehen. Nun standen wir jedoch vor folgendem Problem: wie bekommen wir unsere Fahrräder dorthin?

Gewöhnliche Räder sind leicht mit dem Auto zu transportieren, für Liegeräder bräuchte man zumindest einen Anhänger. Die einzige Option war also eine Radtour zu machen. Kein Problem, wir sind zwar etwas untrainiert – und vor allem ich habe mich in letzter Zeit kaum sportlich betätigt – aber das sollten wir schon hinbekommen.

Die größte Schwierigkeit war, dass die Narben-Schaltung bei einem der Räder nach der ersten Testfahrt kaputt gegangen war. Das ist nunmal das Risiko von Gebrauchtgegenständen… Mit insgesamt 16 Gängen sollte der Trip aber locker machbar sein.

…wenn nicht am Tag davor der Schaltzug der Kettenschaltung gerissen wäre…

Somit hatte mein lieber Ehemann genau zwei Gänge zur Verfügung. Zum Glück ging unsere geplante Route hauptsächlich bergab. Trotzdem verkürzten wir die Reise aus diesem Grund auf 4 Tage.


Donauradweg

Nun konnten wir endlich starten und so führte uns unser Weg von Neumarkt in der Oberpfalz über den Altmühl- und anschließend den Donauradweg nach Passau.

Wir fuhren insgesamt 270 km, wovon wir zwischen 35 – 95 Kilometer pro Tag zurücklegten. Dabei konnten wir folgendes beobachten:

  • unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt in etwa 12 – 15 km/h

  • 80 km pro Tag ist eine angenehme Strecke, alles darüber wird (untrainiert) ein wenig anstrengend

  • ohne unserem Dach wäre die Fahrt deutlich unangenehmer

  • beim Liegerad werden ganz andere Muskelpartien beansprucht, als beim herkömmlichen Fahrrad. Vorhergehendes Training macht also durchaus Sinn!

  • man kann nicht zu viel Wasser dabei haben

  • zeitlich fixierte Tourenpläne zu haben, ist etwas, womit wir nicht klar kommen. Das Fahrradfahren ist und soll auch ein Genuss sein! Hierfür ist Zeitdruck kein sehr hilfreicher Faktor.

Einer unserer tollsten Erkenntnisse war, dass Liegeräder unglaublich viel Aufmerksamkeit erhalten, weswegen man ständig mit anderen ins Gespräch kommt – und das in Zentraleuropa! Dieser Umstand lässt die Vorfreude auf Touren in fremden Ländern noch mehr steigern. Denn was gibt es schöneres, als beim Reisen Menschen kennenzulernen und deren Kulturen hautnah mitzuerleben.

16 Einträge zu „Mit dem Rad durch die Welt

  • Wow, also diese Liegeräder hören sich wirklich cool an! Hab davor noch nie davon gehört!
    So eine Tour würde mir auch echt taugen! Leider mag mein Mann Rad fahren nicht besonders … Aber vielleicht kann ich ihn ja doch mal zu einer Tour überreden.
    Liebe Grüße
    Julie von julie-en-voyage.com

    Gefällt 1 Person

  • Wow! Diese Liegeräder sind ja cool! Wann immer ich eines sehe, bin ich fasziniert. Dass ihr eine solche Tour macht, finde ich ganz toll Für mich wäre das nichts … dafür mich bin viel zu feig … aber ich bewundere jeden der seine Träume auch lebt <3!
    lg
    Verena

    Gefällt 1 Person

    • Bevor wir sie besorgt haben kannte ich sie gar nicht! Aber komfortabel sind sie auf jeden Fall; ich weiß gar nicht, ob ich mit einem gewöhnlichen Rad so lange unterwegs sein könnte… vielen Dank😊

      Gefällt mir

  • Also Respekt, dass ihr so lange von daheim um dir Runden kommt, ich bin da einfach zu sicherheitsdenkend^^ Aber ich finde es spannend! Ich liebe die Touren mit dem Ebike durch die Berge, aber das hier hab ich auch noch nicht gehört^^ Vielleicht probier ich das irgendwann einmal. 🙂 Schönes Wochenende!

    Gefällt mir

  • Spannend, was es nicht alles gibt! Mir sind Liegefahrräder bisher gar nicht wirklich aufgefallen, von daher wäre ich wohl so jemand, der euch ganz erstaunt anblickt und durch Fragen ins Gespräch mit euch kommt 😉
    Günstig sind sie nicht, das stimmt. Aber wenn man bedenkt, wieviel Sprit/Mautkosten/Verschleiß man für eine lange Strecke mit dem Auto ausgibt, rechnet sich das vielleicht ja irgendwann – falls nicht zu viele Reparaturen inzwischenkommen 😉 Jedenfalls super nachhaltig und gesundheitsfördernd!
    LG Barbara

    Gefällt 1 Person

    • Wir hatten unterwegs eine lustige Situation, in der wir von einer Horde Esel überrascht wurden, die für Touren verwendet wurden. Als wir meinten „Das sieht man echt nicht alle Tage“, wurde uns dasselbe Kommentar zurück gegeben 🙂
      Da hast du natürlich Recht. Allerdings wäre für uns das Reisen mit Auto in keinem Fall eine Option. Nachhaltigkeit steht eben ganz oben, daher besitzen wir von Haus aus kein Auto 😉

      Gefällt mir

  • Ich überlege auch gerade im nächsten Jahr mit dem Rad einmal ans Mittelmeer zu fahren. Allerdings wäre mir ein Liegerad zu langsam, ich würde eher das Rennrad nehmen. Aber schön zu sehen, wie ihr das macht!

    Gefällt 1 Person

    • Das kann ich verstehen! Als wir die Tour gemacht haben sind die Meisten an uns vorbei gedüst 😉 Die Entscheidung zum Kauf der Liegeräder kam letztendlich auch von der geplanten Länge der Reise und dass wir eben mit Kind reisen werden und daher Geschwindigkeit keine große Rolle spielt 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s