Vipassana II

10 Tage in völliger Stille zu sitzen, abgeschieden zu sein und täglich über 10 Stunden zu meditieren, mag für einige Menschen ein wenig abschreckend wirken. Vor allem für unerfahrene Personen, kann die lange Meditation zur physischen, als auch psychischen Qual werden.

Seit ich vor einem Jahr den Versuch gestartet habe, eine buddhistische Philosophie zu praktizieren, besaß ich den Wunsch, erneut einen Vipassana-Kurs zu absolvieren. Im Frühjahr 2017 war außerdem geplant, 1 Monat im Zen-Kloster Ryumon Ji zu verbringen. Aufgrund meiner unerwarteten Schwangerschaft, konnte ich diese Pläne zu diesem Zeitpunkt nicht umsetzen; vor allem körperlich wäre mir ein mehrtägiger Meditationskurs nicht möglich gewesen.

Zum Glück haben sogenannte ‚Alte Schüler‘ (Personen, die bereits einen 10-tägigen Kurs absolviert haben) die Möglichkeit, auch 1 – 3-tägige Kurse zu machen. Als ich demnach entdeckte, dass ein 1-tägiger Kurs in Wien stattfinden würde, meldete ich mich prompt dafür an.

Der Tagesablauf für diesen war wie folgt:

08:45                        Eintreffen der Schüler
09:00 – 09:50           Anapana Meditation
10:00 – 10:50           Anapana Meditation
11:00 – 11:50           Vipassana Meditation
11:50 – 12:40           Mittagspause
12:40 – 13:40           Vipassana Meditation
13:50 – 14:50           Vipassana Meditation
15:00 – 15:20           Metta Meditation
16:00                        Ende

Zwischen den Meditationen wurden immer 10-minütige Pausen eingehalten, welche die Teilnehmer in vollkommener Stille verbrachten. Das Mittagsbuffet war eine Zusammenstellung mitgebrachter Speisen und am Ende des Tages wurde die Vipassana-Wohnung gemeinsam aufgeräumt.

Meine Erfahrungen zu diesem Tag waren sehr gemischt; ich lernte körperliches Unwohlsein durch konzentrierte und geregelte Atmung zu kontrollieren. Ich erfuhr, dass Meditation nicht nur im Lotussitz möglich war und das durch diese vollkommene Entspannung erreicht werden kann – in so einem Ausmaß, dass eine erhöhte Einschlaf-Gefahr vorhanden ist 😉

Um diesen Entspannungszustand zu erreichen, müssen allerdings physische Schmerzen komplett akzeptiert und angenommen werden. Vor allem in den Beinen und im Rücken können schmerzhafte Verspannungen entstehen, diese lassen mit viel Zeit und Übung jedoch erheblich nach.


Mein Fazit dieses 1-Tages-Kurses

Es ist wesentlich einfacher, in einer Sangha (buddhistischen Gemeinschaft) zu meditieren, vor allem wenn anfangs die Motivation dafür fehlt. Schade ist nur, dass durch die verpflichtende Edle Stille, eine nachgehende Kommunikation mit den Gleichgesinnten gar nicht so einfach ist.

Selbst 5 Stunden schienen mir für einen Tag etwas lang, wenn sonst keine Meditationspraxis besteht. Ein langsamer Aufbau des Trainings ist also definitiv essenziell für solche Kurse.


Zur Meditation selbst

Abgesehen davon, dass ich die ‚Vipassana Lehre‘ schon zum zweiten Mal hörte, besitze ich seit meinem letzten 10-Tages-Kurs auch ein breiteres Hintergrundwissen zur Philosophie des Buddhismus. Dieser Umstand vereinfacht die Praxis und das Verständnis für die Essenz der Meditation sowie der Lehre gewaltig.

Als ‚Unwissender‘ ist es schwer, einige Aspekte des Buddhismus zu akzeptieren. Wieso? Weil wir gesellschaftlich geprägt sind und eine bestimmte Erziehung genießen. Etwas völlig Neuem und Anderem kann nur mit Skepsis entgegnet werden.

Aus diesem Grund kann ich jedem, der Interesse an einem Vipassana oder anderen buddhistschen Meditationskurs besitzt, empfehlen, sich entsprechende Lektüre zu besorgen und diese im Vorhinein zu studieren.

Meinen Erlebnisse im 10-tägigen Kurs in Indien kannst du hier nachlesen.

 

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2 Einträge zu „Vipassana II

  • Dass du dich getraut hast, einen Meditationskurs zu machen und durchzuhalten finde ich ganz toll! Als Reiterin habe ich es immer mal wieder versucht, um mental besser drauf zu sein im Sattel, also um konzentrierter zu reiten, aber für mich ist Meditation einfach nicht das Richtige… zu ruhig, ich schlafe darüber ein… hast du evtl einen guten Tipp, ein Buch oder Einsteiger Kurs? Liebe Grüße Bettina

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Bettina, jetzt habe ich deinen Kommentar glatt überlesen – das tut mir sehr Leid! Bei der Meditation einzuschlafen ist ja generell nichts Schlechtes, ich habe so meine Schlafprobleme überwunden 🙂 Aber ich verstehe natürlich was du meinst. Letztes Jahr bin ich über ein tolles Buch gestolpert, das den Titel „Meditation für Skeptiker“ hat. In diesem sind nicht nur Tipps zur Meditation, sondern auch neuro-wissenschaftliche Hintergründe zur Praxis selbst 😉

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