Das Kinder-Überraschungs-Ei

6 Jahre ist es her, dass es mich in die große weite Welt zog. Seit 4 Jahren bin ich fast ausschließlich im Ausland und kehre nur nach Europa zurück, um ein wenig Geld zu verdienen. Auch die Liebe meines Lebens lernte ich während dem Reisen, an einem fernen Kontinent kennen und konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als mit ihm auf neue Abenteuer zu gehen!

…dieses erwartete uns auch tatsächlich bereits, allerdings etwas anders als vermutet!


Die große Überraschung

Was könnte für einen Reisenden in der Heimat besser und schöner sein, als eine neue Reise mit dem Geliebten zu planen. Neue Destination, neue Ziele und Wege – neue Erfahrungen! Also schnell Flug buchen, Visa beantragen und fleißig Geld auftreiben, damit dieser Trip auch möglichst lange dauern kann.

Alles läuft wie geplant und plötzlich… hm… seltsam, diese Müdigkeit… und diese starken Kreislaufprobleme…? … und eine Lebensmittelvergiftung scheint mich ebenfalls erwischt zu haben, woher sonst kann denn diese abrupte Übelkeit kommen?

Natürlich ist niemand so naiv. Und spätestens als mir der kleine Test die befürchtete Vermutung bestätigte, realisierte ich, dass sich nun einiges ändern würde. Tja, und jetzt?


Verliebt, Verlobt, Verheiratet…?

Der Großteil der westlichen Damen die schwanger werden – geplant oder auch nicht -, sind in der Regel wohl arbeitstätig oder auf sonstige Weise krankenversichert. Wie kompliziert es sein kann, sich um eine Versicherung, Job und generelle Finanzierung zu kümmern, wenn davor kein Arbeitsverhältnis besteht, können sich vermutlich die Wenigsten vorstellen.

Dabei ist es ganz einfach in so eine schwierige Zwickmühle zu geraten. Man muss sich nur ein halbes Jahr ohne Versicherung im Ausland aufhalten (denn bei kostenloser medizinischer Versorgung in Argentinien macht es doch keinen Sinn, sich eine teure Versicherung zuzulegen) und anschließend in ein fremdes, europäisches Land – wie Deutschland – ziehen, schon hat man keine Möglichkeit mehr, sich freiwillig gesetzlich zu versichern.

Privatversicherungen kosten allerdings ein Haufen Geld und können mit einem Minijob nicht bezahlt werden. Also bleibt wieder nur eine Auslandsversicherung, die jedoch allgemeine Vorsorgeuntersuchungen nicht abdeckt und daher nur für Unfälle existiert.

Blöd nur, wenn man – ohne es zu merken – vor Versicherungabschluss schwanger wird und daher auch keinen Anspruch auf eine Schwangerschaftsversorgung hat… – das Los des Reisenden!

Die Möglichkeiten nun versichert zu werden, halten sich in Grenzen – denn wir wollen doch auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Was bleibt also noch als Option übrig? Ganz richtig! Wir ‚müssen‘ wohl heiraten.


Eine etwas andere Hochzeit

So unromantisch der Grund für unsere Hochzeit auch sein mag, es ändert nichts an der Tatsache, dass wir uns lieben und zusammen bleiben wollen. Eine standesamtliche Ehe hat für uns ohnehin keine Bedeutung, also beeilen wir uns so schnell wie möglich zum nächsten Standesamt.

Natürlich ist eine Hochzeit eines deutsch-österreichischen Paares etwas komplizierter als üblich, aber wir werden das schon hinbekommen. Benötigt werden unterschiedliche Dokumente, die ich nun aus Wien und Lorenz aus Hannover besorgen muss. Wie umständlich und aufwendig der Papierkram aber tatsächlich werden würde, erfuhren wir erst nachdem sich das Prozedere bereits ein paar Wochen hingezogen hatte. Letztendlich wurde ich die Warterei Leid und beschloss, mich selbst um alles zu kümmern. Innerhalb 1 Stunde, hatte ich alle Dokumente zusammen, die ich benötigte.

Am 26.06.2017 gingen wir schließlich zu zweit zum Standesamt und fragten nach einer Blitzhochzeit. 2 Stunden später waren wir verheiratet.


Und finanziell?

6 Wochen nachdem wir von der Schwangerschaft erfahren und unser Leben in Bayern halbwegs aufgebaut hatten, kamen wir schwer ins Grübeln. Kurz zuvor hatten wir einen Termin bei einer Schwangerschafts- und Familienberatung wahrgenommen und waren von den finanziellen Möglichkeiten, die uns offen standen, etwas schockiert.

Egal ob Elterngeld, Baby-Erstaustattung oder medizinische Versorgung für Kinderimpfungen: unsere Optionen sahen mager aus. Blöd wären wir natürlich gewesen, uns nicht bezüglich der österreichischen Bestimmungen zu informieren. Und siehe da – dort hatten wir deutlich bessere Voraussetzungen!

Ein großer Vorteil eines Reisenden ist, das Flexibilität und Spontanität zur Norm gehören. Innerhalb einer Woche hatten wir also unsere Sachen gepackt und waren mit dem Rad in meine traute Heimat zurückgekehrt.


Ein neuer Anfang

Hier hört die Geschichte selbstverständlich nicht auf, denn jetzt stehen vor allem Job- und Wohnungssuche vor uns! Diese erwiesen sich jedoch – zumindest für einen von uns – als überraschend einfach: Lorenz startete 2 Tage nach unserer Ankunft bereits eine neue Arbeit und 3 Wochen später zogen wir in eine unglaublich schöne Wohnung!

Ein großes Manko waren die unzähligen Behördengänge die auf uns warteten, mit denen wir klarerweise im Vorhinein nicht gerechnet hatten. Bis wir alle größtenteils hinter uns hatten, vergingen wiederum 5 mühsame Wochen…

Zu meiner frustrierenden Jobsuche und der daraus folgenden Konsequenzen, komme ich in einem anderen Eintrag.


Einmal aufatmen…

Seit dem Tag X sind genau 15 Wochen vergangen. Es gibt vermutlich nicht allzu viele Schwangerschaften, die organisatorisch so turbulent verlaufen, wie die geschilderte. Dass mich bis zum heutigen Tag schwer körperliches Unwohlsein plagt, hatte ich bisher unerwähnt gelassen. Die gesamte Zeit war alles andere als einfach; weder für mich, noch für meinen geliebten Ehemann.

Letzten Endes sitzen wir nun allerdings erstmal in unserer gemütlichen Wohnung und können uns endlich auf das unglaubliche Glück freuen, dass uns in wenigen Monaten zu Teil wird.

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