Ich bin schwanger, nicht behindert!

Da es sich hier immer noch um einen Reiseblog handelt, möchte ich auch solche „gewöhnlichen“ Themen wie eine Schwangerschaft aus der Perspektive einer Reisenden behandeln.

Die ausführlichere Vorgeschichte zu meiner turbulenten Schwangerschaft kannst du hier finden. In diesem Beitrag möchte ich mich allerdings mehr mit den etwas negativen Aspekten einer Schwangerschaft an sich befassen.


Die Schattenseiten

Nachwuchs ist immer ein Grund zur Freude und wer diese nicht empfindet, mit dem stimmt etwas nicht. Vor allem eine werdende Mutter muss sich doch von ganzem Herzen über das sich derzeit entwickelnde Leben in sich freuen.

Als ich das erste Mal im Internet auf einen Artikel stieß, der erläuterte, dass viele Schwangere im ersten Trimester genau das Gegenteil empfanden, war ich zu tiefst erleichtert.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich somit den Flug und damit die langersehnte Rückkehr in mein geliebtes Neuseeland stornieren musste, führte die neue Situation auch im Alltag nur zu Chaos.

Eines meiner Lieblingszitate aus der damaligen Zeit ist:

„Am besten ist es, du verhältst dich in der Schwangerschaft wie davor und machst die Dinge, die du ohnehin immer getan hast. Du musst eigentlich nur auf das achten… und jenes…. naja und das musst du auch tun… und diese Sache solltest du in nächster Zeit eher vermeiden…“

Es gibt also eine ordentliche Liste an Einschränkungen, die Frau die nächsten 9 – 20 Monate – oder auch länger, je nachdem wie lange sie stillt – einhalten muss. Selbstverständlich tut man das als baldige Mami gerne und so hat man zumindest auch mal eine Ausrede, die äußerst schwere Tasche vom Partner tragen zu lassen.

Weniger Spaß macht die ganze Sache, wenn es um die typischen Schwangerschaftssymptome geht. Ob und wie stark diese ausfallen, sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bisherige Unterhaltungen mit Müttern haben aber gezeigt, dass diese wohl sehr wahrscheinlich genetisch veranlagt sind und daher bei den eigenen Müttern erfragt werden können.

Ganz toll ist es, sich mit Frauen zu unterhalten, die sehr angenehme Schwangerschaften hatte und aus diesem Grund kein Verständnis für Unwohlsein aufbringen können. Kommentare wie „Dir würde es nicht so schlecht gehen, wenn du nicht nur im Bett liegen würdest.“ mögen zwar korrekt sein, nutzen einem Menschen mit außergewöhnlich schlimmen Kreislaufproblemen aber herzlich wenig.

Was – zumindest nach meiner Erfahrung – in der Regel nie oder viel zu selten zur Sprache kommt ist, wie schlimm diese Symptome tatsächlich sein können. Wo hier und da von ein wenig Morgen-Übelkeit, Kreuzschmerzen und Blasenschwäche geredet wird, wird nie klar dargelegt, dass jene Übelkeit den ganzen Tag andauern und somit auch – im Gegensatz zu den allbekannten hormongesteuerten Fressattacken – zum absoluten Appetitverlust und im schlimmsten Fall auch zur Nahrungsverweigerung führen kann.

Genauso ist auch das allseits bekannte Gerücht, Übelkeit würde sich in jedem Fall nach dem ersten Trimester legen, viel zu weit verbreitet und entspricht alles andere als der Wahrheit!

Aber wie gesagt, ein Kind zu bekommen ist doch in jedem Fall eine tollte Sache!


Die geliebte Bürokratie

Wer nicht selbst schwanger ist oder einen Kinderwunsch hegt und sich daher äußerst genau informiert, wird auch die bürokratischen Einschränkungen der Schwangeren nicht kennen.

Zum Schutz der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes gibt es nämlich ganz viele tolle arbeitsrechtliche Regeln, die einer berufstätigen Frau nur zu Gute kommen! Als Reisende, die sich das letzte Jahr im Ausland befand, unversichert und auf Jobsuche ist, schaut das ganze etwas anders aus.

Um ein klares Bild von diesem Wahnsinn zu schaffen, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen und das österreichische Beschäftigungsverbot darlegen:

Schwer heben, Stress und gefährliche Arbeiten – all das schadet einer schwangeren Frau und dem ungeborenen Kind. Deshalb sind derartige Tätigkeiten für Schwangere verboten. Grundsätzlich verboten sind schwere, körperliche Arbeiten. Im Zweifelsfall entscheidet das Arbeitsinspektorat darüber, welche Arbeiten gesundheitsgefährdend und somit verboten sind.

  • Heben und Tragen schwerer Lasten: Die schwangere Dienstnehmerin darf keine Arbeiten verrichten, bei der sie regelmäßig Lasten von mehr als 5 kg oder gelegentlich Lasten von mehr als 10 kg ohne mechanische Hilfsmittel heben muss.
  • Arbeiten, die überwiegend im Stehen verrichtet werden: Ab Beginn der 21. Schwangerschaftswoche darf die Dienstnehmerin stehende Arbeiten nur mehr 4 Stunden lang täglich leisten. Für die übrige Zeit muss der Dienstgeber eine Beschäftigung, die im Sitzen verrichtet werden kann, zuweisen.
  • Arbeiten unter Zeit- und Leistungsdruck: Ab Beginn der 21. Schwangerschaftswoche besteht für Schwangere ein absolutes Beschäftigungsverbot für Arbeiten unter Zeit- und Leistungsdruck.
  • Arbeiten mit gesundheitsgefährdenden Stoffen, Strahlen, Staub oder Dämpfen
  • Arbeiten, die unter Einwirkung von Hitze, Kälte oder Nässe ausgeführt werden
  • Arbeiten, bei denen die Gefahr einer Berufserkrankung besteht
  • Arbeiten auf Beförderungsmitteln
  • Arbeiten mit besonderer Unfallgefährdung

Verbot der Nachtarbeit

Als werdende oder stillende Mutter dürfen Sie keine Nachtarbeit (20 Uhr bis 6 Uhr) leisten, abgesehen von einigen zugelassenen Ausnahmen.

Ausnahmen gibt es zum Beispiel im Verkehrswesen, bei Musik- oder Theateraufführungen oder bei Krankenpflegepersonal. Werdende und stillende Mütter, die in diesen Branchen beschäftigt sind, dürfen bis höchstens 22 Uhr arbeiten. Im Anschluss an die Nachtarbeit müssen sie eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden haben. Außerdem kann das Arbeitsinspektorat die Arbeitszeit für Frauen, die in nicht-mehrschichtig geführten Gastgewerbebetrieben tätig sind, im Einzelfall bis 22 Uhr ausdehnen.


Sonn- und Feiertagsarbeit

Grundsätzlich dürfen werdende oder stillende Mütter an Sonn-und Feiertagen nicht beschäftigt werden. Ausnahmen gibt es beispielsweise im Gastgewerbe, in Betrieben mit ununterbrochenem Schichtwechsel oder bei Musik- und Theateraufführungen. Das Arbeitsinspektorat kann im Einzelfall weitere Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsarbeitsverbot bewilligen.
Nach der Sonntagsarbeit hat die Dienstnehmerin in der darauf folgenden Woche Anspruch auf eine mindestens 36 Stunden dauernde Wochenruhe. In der Woche nach der geleisteten Feiertagsarbeit muss die Dienstnehmerin eine mindestens 24 Stunden dauernde ununterbrochene Ruhezeit im Anschluss an eine Nachtruhe einhalten können.


Überstunden

Werdende oder stillende Mütter dürfen keine Überstunden machen. Die tägliche Arbeitszeit darf keinesfalls 9 Stunden bzw. die wöchentliche Arbeitszeit keinesfalls 40 Stunden übersteigen. Bei dieser Regelung gibt es keinerlei Ausnahmen, auch nicht durch das Arbeitsinspektorat.


Ausruhen während der Arbeit

Ist eine Arbeitnehmerin schwanger, ist ihr Körper in dieser Zeit nicht so belastbar wie sonst. Deshalb darf sie sich auch während der Arbeitszeit hinlegen und ausruhen. Der Arbeitgeber muss ein geeignetes Bett oder eine Liege bereitstellen. Wie oft und wie lange sich die Arbeitnehmerin ausruht, liegt in Ihrem Ermessen. Die Ruhezeit gilt als reguläre Arbeitszeit und muss auch als solche bezahlt werden. Legt sich die Arbeitnehmerin allerdings in einer unbezahlten, im vorhinein festgelegten Pause hin, wird diese Ruhezeit nicht bezahlt.
Wenn eine Arbeitnehmerin stillt, hat sie überdies Anspruch auf bezahlte Freizeit zum Stillen des Kindes. Diese Zeit beträgt maximal 90 Minuten pro Tag.

(Quelle: arbeiterkammer.at)

Es ist also absolut unmöglich, als Schwangere einen Arbeitgeber zu finden, der auch gewillt ist eine werdende Mutter einzustellen. Dazu kommt natürlich auch hinzu, dass ab dem Mutterschutz (der in Österreich 8 Wochen vorm errechneten Geburtstermin beginnt) ein absolutes Beschäftigungsverbot gilt.

Wer nicht als Promoter, freier Dienstnehmer oder schwarz arbeitet, der hat auf gut deutsch einfach Pech gehabt!

Und nein, der Staat hilft einem in diesem Fall nicht einfach so aus der Patsche.
(Ich spreche hier tatsächlich aus Erfahrung!)


Der gut-gemeinte Ratschlag

Ein besonders schöner Aspekt der Schwangerschaft ist, dass auf einmal jeder in der unmittelbaren Umgebung eine Meinung zu wirklich allem vertritt. Und diese darf man sich als Schwangere tagein-tagaus lang geduldig anhören.

Selbstverständlich hat eine Erstgebärende keine Ahnung vom Kinder-Haben und Mutter-Sein, daher muss man ihr mit gutem Rat und Tat zur Seite stehen. Es macht auch keinen Unterschied, dass man als Weltenbummler etliche – auch sehr negative bzw. belastende – Erfahrungen gesammelt und daher gelernt hat, mit schwierigen Situationen meisterhaft umzugehen.

Nein, nein.

Ein Kind zu haben ist anders! Und das wirst du schon noch früh genug sehen.

Aber auch die Schwangerschaft selbst ist etwas, wovon man selbst ja keine Ahnung hat. Ist ja schließlich das erste Mal und außerdem wird man als Schwangere nicht nur körperlich behindert sondern verdummt auch völlig. Vor solch einer Unzurechnungsfähigkeit muss man geschützt werden, ist doch ganz logisch!

Selbst darf man aber nicht erwähnen, dass die Schwangerschaften der Mütter, Großmütter und mancher Bekannten – und damit vielleicht auch ihre Erinnerungen daran? – schon etliche Zeiten zurück liegen


Kleiner Tipp am Rande: nicht jede Schwangere ist gleich und auch wenn jede Schwangerschaft hormonell beeinflusst ist bedeutet das nicht, dass jeder Mensch ein emotionales Wrack und somit komplett lebensunfähig wird 😉

Auch schwierige Schwangerschaften können ohne Probleme überstanden und genossen werden, wenn Frau die richtige Einstellung behält. Als Reisende hat mir vor allem ein Spruch einer äußerst fürsorglichen Hebamme in Wien – die sich in ihrem Beruf als Reisebegleitung sieht – sehr geholfen, mein persönliches Mantra für diese Lebensphase zu finden:

Jede Geburt ist wie eine Reise. Man weiß nie, was einen erwartet. Es kommt immer anders und am besten ist es, offen gegenüber allem zu sein.

 

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