Atem & Entspannung im Alltag (#betterthanyesterdaychallenge)

Im Zuge der #betterthanyesterdaychallenge habe ich die Chance erhalten, einen Beitrag zum Thema ‚Atem & Entspannung im Alltag‘ zu verfassen. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um nach langer Zeit wieder über mein Leben mit dem Buddhismus zu schreiben.

Weitere Beiträge zu dieser Thematik kannst du unter der Kategorie Mindfulness finden.


Wie ich zum Buddhismus kam

Das erste Mal, dass ich mit dem Buddhismus und Meditation im speziellen in Kontakt getreten bin war, als ich 2014 an einen 10-tägigen Vipassana-Kurs in Jodhpur, Indien teilgenommen hatte. Als junges Mädchen, das sich gerade auf 1-jähriger Weltreise befand, wollte ich eine authentische, indische Erfahrung mitnehmen, bevor es wieder nachhause ging.

Ich hatte mir im Vorfeld nicht viele Gedanken darüber gemacht; 10 Tage lang schweigend meditieren konnte doch nicht allzu schwer sein. Schon am ersten Tag stellte ich fest wie naiv ich doch war. 13 Stunden pro Tag zu meditieren war eine unglaubliche Herausforderung – geistig wie körperlich. Zwei Teilnehmer stiegen am zweiten Tag aus. Sie hatten den Kurs ebenfalls unterschätzt.

Vor der letzten Abend-Meditation gab es täglich einen Videovortrag zum Thema Buddhismus. Viele Werte konnte ich für mich mitnehmen, in die Tiefe wollte ich allerdings nicht vordringen. Der Buddhismus erschien für mich kalt und herzlos. Es war unvorstellbar, ein buddhistisches Leben als „Normalsterblicher“ zu führen.

Zwei Jahre später fand ich mich in einer emotionalen Krise wieder, aus der ich keinen Ausweg mehr wusste. Ich kam auf das gesellschaftliche Leben nicht mehr klar und der Alltagstrott stumpfte mich ab. Am schlimmsten war, dass mich einfach niemand verstehen wollte.

Plötzlich fand ich wieder zum Buddhismus.

Ich hatte nichts zu verlieren, ganz im Gegenteil. Also beschloss ich entsprechende Lektüre zu besorgen und mein „buddhistisches Training“ zu starten. Heute kann ich sagen, dass das die beste Entscheidung meines bisherigen Lebens war.


Wie Buddhismus meinen Alltag verändert hat

Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meiner Trainingszeit mitgenommen habe war, dass ich mein Umfeld, das mich unglücklich macht, nicht direkt ändern kann. Stets davor zu fliehen (was ich lange Zeit probiert habe) ist ebenso keine Lösung. Das Einzige, das ich tatsächlich ändern kann, ist meine Einstellung zu jenem Umfeld.

Um an diesen wunderbaren Punkt zu gelangen waren vor allem folgende Dinge notwendig:

  • Das Befassen mit buddhistischer Lektüre
  • Meditation und Achtsamkeitstraining
  • Eine buddhistische Gemeinschaft, die einen beim Training unterstützt und offene Fragen klärt

Im Wesentlichen beschreibe ich hier zwei der Drei Juwelen des Buddhismus: Dharma (die Lehre) und Sangha (die Gemeinschaft). Was jetzt noch fehlt ist das Ziel des Trainings: Buddha, das letzte Juwel.

Die buddhistische Lehre im Detail zu erklären wäre viel zu umfangreich! Und das ist ja heute auch nicht Sinn und Zweck der heutigen Übung 😉 Daher möchte ich buddhistische Fakten nur in kleinen Mengen integrieren und zunächst auf die letzte Überschrift zurückkommen. Nämlich wie sich der Buddhismus auf mein alltägliches Leben ausgewirkt hat.

Der Buddhismus hat mir eine innere Ruhe verliehen. Wenn ich in eine schwierige Situation gerate fällt es mir leichter, an diese rational und pragmatisch heranzugehen. In Folge dessen reduziert sich auch die Anzahl der zwischenmenschlichen Konflikte in die ich gerate. Denn auf Zorn folgt meist nur Zorn. Wer stattdessen eine ruhige Atmosphäre schafft, gibt auch gleichzeitig seinem Gegenüber die Chance sich schneller zu beruhigen und gelassener zu werden. Dieses Phänomen nennt sich Karma 😉

Weitere Bereiche, in denen ich Änderungen feststellen konnte sind diese:

  • Freude über die kleinen Dinge im Leben. In vielen Situationen fühle ich mich wie ein Kind, dass das Leben neu entdeckt. Ich nehme mir viel mehr Zeit Augenblicke tatsächlich zu erleben und diese zu genießen. Wenn ich einen Schmetterling vorbeifliegen sehe, bleibe ich stehen und beobachte diesen einfach für eine Weile. Solche Momente sind einfach wunderschön!

  • Wahrnehmung & Achtsamkeit im Alltag steigern sich. Siehe das Beispiel oben 😉 Allerdings ist das nicht das Einzige. Durch bewusstes Leben fallen mir Dinge auf, die normalerweise unbeachtet bleiben.
    Mach doch gleich mal mit! Wie sitzt du gerade da, wie ist deine Haltung? Ist dein Gesicht entspannt oder beißt du die Zähne zusammen? Wie ist es, wenn du unterwegs bist? Achtest du dann auf deine Gangart? Wie stehst du, wenn du auf den Bus oder die U-Bahn wartest? Probier‘ beim nächsten Mal diesen Dingen und vor allem dir selbst Aufmerksamkeit zu schenken 🙂


  • Durch Meditation Zeit für sich selbst finden. Ich habe es in der Vergangenheit oft an mir selbst bemerkt und sehe es jetzt auch bei anderen: viele Menschen schaffen es nicht, sich einfach mit sich selbst zu beschäftigen! Ständig ist man unterwegs, muss arbeiten, den Haushalt erledigen, soziale Kontakte pflegen, und und und… dabei kommt nur eine Person oft zu kurz – und zwar man selbst.

Je öfter du zum meditieren kommst, desto besser ist es natürlich. 5 Minuten täglich sind aber schon besser als nichts! Schenk dir selbst diese 5 Minuten und genieße es, einfach mal Zeit für dich selbst zu haben, keinen Verpflichtungen nachgehen zu müssen, sondern einfach ganz bei dir zu sein.

Mit dieser Überleitung möchte ich im letzten Teil auf die Meditation und Achtsamkeitsübungen eingehen.


Meditationsübungen für den Alltag


Meditation

Es gibt unterschiedliche Meditationsarten, die ich in einem älteren Beitrag genauer beschreibe.

Die Meditation, die ich in Indien erlernt habe, nennt sich Vipassana. Dabei geht es um die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen während der Meditation. In der Praxis bedeutet das, dass der Körper mental „abgetastet“ und nach Reizen wie z.B. Jucken, Schweiß, Schmerz, etc. gesucht wird. Findet man einen solchen bleibt die Aufmerksamkeit auf diesem, bis er verschwindet. Der Zweck dahinter ist das Bewusstsein der Vergänglichkeit zu trainieren, denn jeder Reiz lässt irgendwann nach, auch ohne dass wir darauf reagieren.

Die Technik, die ich für gewöhnlich praktiziere, nennt sich Zazen und kommt aus dem Zen Buddhismus. Bei dieser Meditation lässt man Gedanken passieren und verfolgt sie nicht weiter. Das Auftreten eines Gedanken wird also lediglich wahrgenommen, ihm wird aber nicht weiter Beachtung geschenkt. Im Zen Buddhismus werden Gedanken oft mit Wolken verglichen, die im Kopf einfach vorüber ziehen.
Mir persönlich half das Zazen sehr, denn im Vergleich zur Atem-Meditation (bei der die komplette Aufmerksamkeit dem Atem gewidmet wird) war es „in Ordnung“ Gedanken zu haben; ich lernte lediglich nicht auf diese einzugehen.

Meditation muss übrigens nicht mit geschlossenen Augen und verschränkten Beinen in einem abgeschotteten Raum praktiziert werden! Das nächste Mal, wenn du an einer Haltestelle wartest, in einem öffentlichen Verkehrsmittel sitzt oder in der Schlange beim Supermarkt stehst, versuche deine innere Ruhe zu finden und jeden auftretenden Gedanken einfach ziehen zu lassen. Wenn es dir hilft, dann verwende deinen Atem als Anker für deine Meditation.


Achtsamkeitsübungen

Es gibt allerdings noch andere Meditationsarten, die im Alltag als Achtsamkeitsübungen ausgeführt werden können. Auf manche stieß ich durch Bücher, andere habe ich mir selbst auferlegt. Mein „stummes Experiment“ kannst du zum Beispiel hier nachlesen 😉

Achtsamkeitstraining bedeutet genau das: sein Handeln bewusst wahrnehmen. Ich werde dir hier einfach ein paar Beispiele alltäglicher Situationen auflisten, denen du nächstes Mal besondere Beachtung schenken kannst:

  • Essen. Eine ganz typische Situation, in der wir nebenbei fernsehen, zum nächsten Termin hetzen, am Handy spielen oder einfach mit einer anderen Person reden. Anstatt einfach mal nur da zu sitzen und zu essen!!! Stell dir vor, du gehst in ein tolles Restaurant, bestellst die grandioseste Mahlzeit und zahlst dafür auch nicht wenig. Und statt dich auf dieses unglaubliche Essen zu konzentrieren quatscht du mit deinem Date und bekommst eigentlich nicht mal richtig mit, was du dir da zugute führst. Irgendwie absurd oder?

  • Gehen. Ein sehr wichtiges Thema, das ich schon weiter oben bereits erwähnt hatte. Fällt dir eigentlich auf wie du gehst? Und ich meine nicht, ob du schnell oder langsam bist. Wie steigst du mit dem Fuß auf? Wie rollst du diesen ab? Kippt dabei dein Fuß nach außen oder innen? Verändert sich deine Gehweise wenn du bergauf oder bergab gehst? Gehst du vielleicht manchmal auf Zehenspitzen?

  • Mimik. Ein überaus interessanter Punkt. Denn einen entspannten Menschen erkennt man oft an seinem Gesichtsausdruck. Probier das doch gleich das nächste Mal aus, wenn du durch die Straßen schlenderst: lass die Kiefermuskulatur los, entspanne deine Gesichtszüge und schenke dir selbst ein lächeln. Schaut die Welt nicht gleich viel besser aus?

  • Tagträume. Kennst du das; du sitzt in der U-Bahn oder im Bus, schaust aus dem Fenster und plötzlich geht ein Film in deinem Kopf an? So schön manchmal Tagträume auch sein mögen, sie sind sehr kontraproduktiv für ein achtsames Leben. Schließlich sollst du doch mitbekommen was hier und jetzt passiert! Achte beim nächsten mal nicht auf den Film in deinem Kopf, sondern stattdessen nur auf das, was du um dich siehst und tatsächlich erlebst.

Yoga

Zu allerletzt stelle ich euch eine weitere – aktuell sehr beliebte – philosophische Lehre vor, die unter anderem auch im Buddhismus zur Stärkung von Körper und Geist praktiziert wird: das Yoga. Beim heutigen Yoga, das in der westlichen Welt ausgeübt wird, handelt es sich allerdings um eine abgewandelte Form der indischen Praxis, die mittlerweile eher als moderner Trend angesehen werden kann.

Zum einen finde ich es toll, dass die Anzahl der praktizierenden Menschen steigt. Das zeigt, dass sich diese um ihr Wohlwollen kümmern. Auf der anderen Seite ist es irgendwie traurig, dass viele sich nur durch solche Trends zu einer geistigen Gesundheit verhelfen lassen. Oben genannte Meditations- und Achtsamkeitsübungen sind komplett kostenfrei und benötigen nichts außer ein wenig Zeit. Leider ist das wohl nicht ganz so reizvoll wie in Yoga-Kurse zu gehen oder teure Entspannungstrainer anzuheuern.

Du hast jetzt allerdings die Chance dir die Zeit zu nehmen und ein paar Minuten pro Tag selbst etwas Gutes zu tun 😉 Ich wünsche dir eine gute Entspannung!

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Und jetzt bist du dran! Hast du schon Erfahrungen in Meditation und Yoga oder gar dem Buddhismus gemacht? Wie ist es dir dabei ergangen und welche Auswirkungen haben diese auf deinen Alltag? Welche anderen Situationen fallen dir ein, in denen du Achtsamkeitstraining praktizieren möchtest? Ich bin schon sehr gespannt auf deine Antwort.

 

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16 Einträge zu „Atem & Entspannung im Alltag (#betterthanyesterdaychallenge)

  • Sehr schön inspirierend deine Aussagen – ich kenne zwar einige von den Tipps, habe aber Probleme diese langfristig umzusetzen. Wie schaffst du es, mehr Achtsamkeit in deinen Alltag zu kriegen?

    Gefällt 1 Person

    • Erstmal sorry für die verspätete Antwort! Seit ich ein Kind habe ist es zugleich leichter und schwerer Achtsamkeit zu praktizieren. Zum einen beobachte ich meine Tochter einfach und genieße die Momente; ich bin vollkommen im Hier und Jetzt. Auf der anderen Seite komme ich zurzeit leider überhaupt nicht zum meditieren, was mir sehr fehlt. Meistens habe ich meine Achtsamkeitsübungen beim Essen oder in öffentlichen Verkehrsmittel praktiziert. Ich finde, das sind Augenblicke, in denen man tatsächlich nur auf sich selbst schauen und sich die Zeit gut nehmen kann!

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  • Ein interessanter Blogpost. Ich versuche selbst schon sehr lange sehr achtsam zu sein. Diese Momente einen Schmetterling zu beobachten empfinde ich auch als großes Geschenk. Mit Buddhismus habe ich mich bisher nicht so viel beschäftigt, aber was Du schreibst klingt spannend. Vielen Dank für so viel Hintergrundinformationen aus Deinem Leben! Schön finde ich, dass Du den Text luftig geschrieben hast. Ein paar Bilder oder Scribbles dazu hätte ich noch schön gefunden, aber ich bin einfach ein sehr visueller Mensch & sauge alles über Bilder auf!

    Sonnige Grüße, Nina

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für dein Feedback!! Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber mir geht es mit dem Visuellen genauso 😉 Das ist ein Punkt, an dem ich in Zukunft in meinen Beiträgen noch etwas arbeiten muss/möchte 🙂

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  • Liebe Elisa Anne,

    vielen Dank, dass Du uns auf Deinem Weg hast teilhaben lassen. Ich fand es sehr spannend zu lesen, wie Du zum Buddhismus gekommen bist und wie Du ihn jetzt in Deinen Alltag einbaust.
    Auch Deine Tipps sind super! Ich denke, sowas kann wirklich jeder für ein paar Minuten in seinen Tag einfließen lassen. Ich werde noch mal ganz in Ruhe nachlesen, und versuchen, die Tipps auch bei mir helfen zu lassen. Etwas Ruhe wird mir gut tun.

    Viele liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

    Gefällt 1 Person

    • Dankeschön für dein Feedback! Ich freue mich, wenn ich andere ein wenig dazu animieren kann etwas Gutes für sich selbst zu tun. Und wenn es nur ein paar Minuten pro Tag sind dann hat dieser Beitrag seinen Zweck erfüllt 🙂

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  • Ich hab während meines Masterstudiums das Meditieren ab und an mal ausprobiert und wollte das nun (Jahre später) auch mal in meinen Alltag integrieren. Leider etwas seltener als ich mir mal vorgenommen habe, aber es geht auch grade so ganz gut, weil mich das Bloggen auch entspannt 😀

    Die Meditation hat mir damals ganz gut getan, wenn man einfach mal versucht, sich nur auf sich und seinen Körper zu konzentrieren. Nach einer Weile habe ich dabei auch immer etwas die Zeit verloren. Das war ein ganz angenehmen Gefühl 🙂

    Besten Gruß
    Henrik von Fernweh-Koch
    Fernweh-Koch bei Pinterest

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    • Danke, dass du mich ein wenig an deinen Erfahrungen teilhaben lässt! Das mit dem Bloggen kann ich nachvollziehen, mir geht’s genauso 🙂 Was ich auch immer sehr meditativ fand war mit Musik zu joggen 😉

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  • Ich finde deine Sichtweise auf das Leben sehr interessant. Gerade da ich solchen Techniken bisher eher abgeneigt war, aber mir doch mehr und mehr bewusst wird, wie gut es tut “sich selbst zu fühlen”. Ich mache das aber eher frei als nach einer gewissen Regel.

    Gefällt 1 Person

  • Sich jeden Tag etwas Gutes zu tun, nach dieser Einstellung versuche ich nun auch seit einiger Zeit zu leben. Und es ist so toll, wie sich in kürzester Zeit extrem viel ins Positive verändert hat. Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag, aus welchem ich gerne wieder Tipps zum umsetzen mitnehme.

    Gefällt 1 Person

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